Atari schwimmt wieder

Seit 13. April 2012 ist die Segelsaison eingeläutet. Die Atari schwimmt wieder. Auf dem Foto noch im Zustand direkt nach dem Mastsetzen.

Mittlerweile ist der Baum montiert, die Segel sind angeschlagen, die Polster sind im Schiff, die Sprayhood und Kuchenbude ist angebracht, Anker ist im Kasten, Motor läuft und erste Palette Bier ist verstaut. Kann also losgehen – wenns mal ein bisschen wärmer wird.

Seeventile erneuert

Die Tage kam die Rechnung von FinMarine Service. Die rundum Erneuerung der Seeventile ist erledigt. Erfreulicherweise sogar etwas kostengünstiger als zunächst vermutet, weil die Borddurchlässe in denen die Ventile steckten noch OK waren. Nach 30 Jahren schon fast erstaunlich.

Die Erneuerung der Seeventile kam mir schon kurz nach der Schiffsübernahme in den Sinn. Es waren noch alte Schraubventile montiert. Ich vermute mal noch von der Erstausstattung. Die 10 Jahre Lebenszeit, die man normalerweise solchen Teilen aus Messing zusagt, waren aber sicherlich abgelaufen. Also raus damit, ehe mal unterwegs eins abbricht und zum Kajüten Springbrunnen wird. Dass, wie früher schonmal erwähnt, bei viel Lage die Toilette vollgelaufen ist, hat die Entscheidung nochmal bestärkt.

Jetzt sind Kugelventile mit Hebel montiert, die man auch aus aktuellen Schiffsmodellen kennt. Bei der Gelegenheit wurden auch noch gleich diverse Schläuche miterneuert. Am WC zum Beispiel für das bessere Aroma im Sanitärraum.

Einwintern auf Autopilot

Vom 7. bis 8. Oktober würde ich die letzten Tage in dieser Saison auf dem Schiff verbringen. Die Aufgabe war, die Atari auf das Einwintern vorzubereiten. Im Vorfeld hatte ich einen Zeitplan in Absprache mit den beteiligten Dienstleistern zusammengestellt und Aufgaben definiert um bis Ende Oktober, Anfang November die Atari gut verpackt im Aussenlager bei FinMarine in den Winterschlaf zu schicken.

Für meinen Part hatte ich mir einen grossen Kombi geliehen, in den ich alles reinpackte, was vom Schiff runter musste. Von den ca. 1600 Liter Kofferraum Volumen nahmen allein schon die Polster gute 1000-1200 Liter ein. Dazu kamen 4 Klappkisten mit Kleinkram wie Bücher, Ölzeug, Decken, Kopfkissen etc.

Die Segel und den Grossbaum hatte ich schon am Freitag abgeschlagen. Vorher hatte ich ein Foto der Leinenführung für die Rollanlage gemacht, damit ich im Frühjahr die Teile auch wieder zusammengebaut bekomme.

Die Ankerleine und den Kettenvorläufer hab ich aus dem Ankerkasten genommen und zusammen mit dem Ankerkasten mit Süsswasser gespült. Ebenso gespült wurde die Rollanlage, die Beschläge und das Deck.

Alle Leinen, die in den Mast gehen wurden aufgeschossen und beigebunden, so dass beim Mastlegen nur noch Wanten, Stage und Mastkragen gelöst werden müssen.

Der Dieseltank wurde gefüllt, der Wassertank entleert und ausgewischt (Wo kommt denn eigentlich der ganze Sand her, der sich im Wassertank am Boden sammelt?). Aus allen elektrischen Geräten wurden die Batterien entfernt.

Die Backskisten wurden entrümpelt, Leinen zum trocknen ausgelegt und dann unter Deck gestaut.

Sprayhood und Anschlusspersenning abgebaut. Teppichboden entfernt. Luftentfeuchter und Stromkabel fürs Einwintern bereitgelegt. Schränke, Kühlschrank etc. zum Durchlüften geöffnet.

Und danach lief der Autopilot

  • Die Segel holte Segelmacher b-segeln zur Inspektion und Einlagerung ab.
  • Ebenso die Sprayhood und Kuchenbude zum Reinigen, Entspaken und Einlagern.
  • FinMarine legte den Mast, nahm das Schiff aus dem Wasser, reinigte das Unterwasserschiff und stellte das Schiff an Land.
  • Vorher wurde der Motor inspiziert und eingewintert
  • Winterlager Planengestell wurde aufgebaut, Plane angebracht
  • Luftentfeuchter wurden aufgestellt und Strom für Batterie Erhaltungsladung gelegt.

Der Winter kann kommen.

Wochenende 16. – 19. September

Einer der Vorteile eines eigenen Schiffes ist die flexible Anreise. Keine feste Übergabezeit, keine zeitraubende Einweisung. Ist man an Bord, kanns losgehen.

16. September 2011

So konnte ich entspannt Freitag Morgen zuhause losfahren, am Mittag Mitsegler Benjamin in Hamburg abholen und nachmittags noch die Leinen losschmeissen. Vorm Ablegen liefen wir noch durch den Supermarkt, schmissen alles schnell unter Deck und legten einen Blitzstart hin, um den Brückendurchgang zu erwischen.

Das Wetter war angenehm. Nur im T-Shirt bei Sonnenschein mit leichtem Wind schipperten wir südlich an der Küste entlang Richtung Damp. Dort angekommen, huschten wir noch schnell in den Supermarkt bevor er schloss um das Abendessen komplett zu machen. Für das Protokoll: Es gab Fischfilets mit gebratenen grünen Bohnen und Pellkartoffeln. Herrlich. ;)

Schon am frühen Abend bemerkten wir, dass das Schiff immer unruhiger lag. Am Bier konnte es nicht liegen, so viel hatten wir nicht getrunken. Beim späteren Hafenrundgang stellten wir fest, dass es deutlich aufgefrischt hatte und direkt auf die Hafeneinfahrt bliess. Im Hafen war richtig starker Schwell. Einige festgemachten Schiffe tanzten förmlich auf den Wellen.

Über Nacht nahm der Wind noch zu. Die Atari ruckte öfters unangenehm in die Festmacher ein, die Leinen knirschten, hier und da klapperte irgendwas und der Wind heulte im Rigg. An ruhigen Schlaf war nicht zu denken. Für mich auf der Vorschiffskoje jedenfalls. Scheinbar wars im Salon ruhiger. Benjamin hatte zumindest gut geschlafen, sagte er.

17. September 2011

Am nächsten Morgen liessen wir es gemächlich angehen und den Wind sich noch etwas austoben. Gegen Vormittag wurde es allmählich ruhiger. Wir legten ab, Kurs Bagenkop auf Langeland. Der Wind hatte über Nacht eine hohe Dünung aufgebaut. Mit Wind aus Ost/Süd-Ost beim Kurs von 65 Grad ging es mehr oder weniger hart am Wind achterbahnmässig auf und ab.

So richtig angenehm war das nicht. Es nieselte hin und wieder, der Himmel war grau und die Temperaturen waren herbstlich kühl. Möglichst schnell ankommen war angesagt an Stelle von Segeln mit Genuss.

Die 25 Meilen waren dann doch schnell abgeritten. Wir kamen gerade recht zur Kaffeezeit im fast leeren Hafen an. Kaffeetrinken ging nahtlos in Anlegerbier über. Um uns herum war Hafenkino angesagt. Scheinbar waren viele etwas später los und hatten auf weniger Wind gewartet. Im Minutentakt kamen die Schiffe rein.

Als es langsam dunkel wurde, waren im vorderen Hafenbereich so gut wie alle Liegeplätze belegt. Die ersten legten sich schon an die Kaimauer in der Hafeneinfahrt. Im hinteren Bereich der Stege war noch viel frei. Wir überlegten, warum wohl so viele gar nicht erst im hinteren Hafenbereich nachsehen. Haben sie Angst, dort festzusitzen und nicht mehr wenden zu können? Und nehmen dafür lieber einen ungemütlichen Liegeplatz in der Einfahrt in Kauf? Oder denken sie, wenn vorn schon alles voll ist, muss es hinten erst recht so sein?

18. September 2011

Der nächste Morgen begrüsste uns mit einem grau in grau verhangenen, konturlosen Himmel. Leichter Nieselregen begleitete uns bei der Abfahrt. Der Wind war unbeständig, drehte ständig die Richtung und eigentlich kaum vorhanden. Bis auf kurze Schauerboen war an Segeln nicht zu denken.

So lief der Motor die erste Hälfte des Tages. Wir wollten Richtung Kieler Förde. Nach Laboe in die Baltic Bay Marina. Am Nachmittag klarte das Wetter auf. Nach und nach zeichneten sich auch Wolken am Himmel ab. Die Sonne schaute sogar hier und da mal durch. Dazu kam ein segelbarer Wind, der im Laufe des Nachmittags immer kraftiger wurde.

Auf Höhe des Kieler Leuchtturms war richtig sportliches Segeln mit Aufkreuzen Richtung Ziel angesagt. Süd-West, direkt aus Richtung der Kieler Förde wirds gewesen sein. Vielleicht mit 4 Windstärken.

Als wir am späten Nachmittag in der Baltic Bay Marina angelegt hatten, tauchte die Sonne den Hafen in eine goldfarbene Lichtstimmung. Der Hafen ist mit schwimmenden Fingerstegen ausgestattet anstatt der sonst üblichen Heckpfosten. Dies ermöglicht ungeahnte Perspektiven vom Boot.

Abendessen nahmen wir dann am alten Hafen von Laboe in einem urigen Fischlokal ein. Dank der Infrarot Bestrahlung konnten wir sogar noch draussen sitzen, obwohl es herbstlich kühl geworden war.

19. September 2011

Die Rückreise nach Kappeln erfolgte bei nahezu idealen Segelbedingungen. Mit einer frischen Brise aus Süd-West schossen wir Richtung Schleimünde bei Sonnenschein und so gut wie klarem Himmel.

Wie kräftig der Wind tatsächlich blies, bemerkten erst (mangels Windmessanlage), als wir vor Schleimünde ins Fahrwasser einbogen. Aus achterlichem Wind wurde ein leichter Am Wind Kurs. Zuviel für unsere Segelfläche. Das Boot war kaum zu bändigen. Wir mussten zweimal reffen bis wir einen stabilen Kurs halten konnten.

Die Schlei begrüsste uns auch ungewohnt ruppig. Vor Kappeln mussten wir eine Weile auf die Brückenöffnung warten. Die Zeit vertrieben wir uns mit Strömungsexperimenten. Die Frage war, wieviel Schub vorwärts und rückwarts müssen wir geben, damit wir jeweils auf der Stelle stehen bleiben. Die Frage beschäftigte mich auch aus praktischen Gründen. Beim Anlegen würden wir auch mit Strom von hinten in die Box getrieben.

Später beim Anlegen stellten sich die Bedingungen aber als nahezu ideal heraus. Normalerweise funktioniert Anlegen bei meinem Liegplatz so: Da meine Box für das Boot zu breit ist muss ich, nachdem die Heckleine in Luv über den Pfosten geworfen wurde, erst die Vorleine in Luv an Land ausbringen, um mich danach mit geführter Vorleine zurück zum Heckpfosten in Lee zu hangeln. Den Leepfosten zu erwischen, ohne mit dem Bug vorher zu vertreiben, funktioniert selten. Diesmal arbeitete Windrichtung, Strömung und Radeffekt im Rückwärtsgang Hand in Hand, so dass erst beide Heckleinen übergeworfen waren und ich mich ganz entspannt, mit gefierten Leinen von der Strömung Richtung Steg treiben lassen konnte.

Wochenende 9. – 11. September

Im September gabs ein paar schöne Tage. Zeit wieder aufs Wasser zu kommen. Auch dieser Törn lief in trauter Zweisamkeit mit Melanie ab.

9. September 2011

Wir waren wieder in der vergangenen Nacht angereist. Nach einem kurzen Einkauf und Frühstück ging es los. Leider erstmal bei wenig Wind aus Süd-West. Dafür Sonnenschein. Unter Segeln wollte der Leuchtturm Schleimünde einfach nicht kleiner werden. Unser Ziel, Avernakö, war zwar nicht wahnsinnig weit weg, bei dieser Geschwindigkeit mit dem Wind genau aus achtern aber nicht mehr vor Sonnenuntergang erreichbar.

Also Motor an. Da fiel mir ein, beim Boot war ja auch ein Autopilot dabei. Ein Autohelm 1000, wahrscheinlich auch aus den 80ern. Kompass und Lenkeinheit ist auf jeden Fall noch getrennt in zwei Teile. Ein Wunder dass der noch funktioniert.

Die ersten Tests liessen den Kollegen wie wild die Pinne hin- und herschieben. Als wollte der Autohelm das Boot durch Ruderbewegungen antreiben. Ein Blick in die Anleitung verriet diverse Einstellmöglichkeiten. Einige Testminuten später schnurrte das Boot wie auf Schienen Avernakö entgegen.

Kurz darauf gabs auch ein bisschen Wind zum Segeln. Der Autohelm kam auch damit einigermassen klar, nur wollte ich die schon angeschlagene Batterie nicht übermässig belasten und demontierte ihn. Segeln macht mit der Pinne in der Hand sowieso mehr Spass.

In Avernakö war schon Saisonende angesagt. Es lag ausser uns kaum noch jemand an den Stegen. Komisch, haben wohl viele die Saison schon abgeschrieben.

10. September 2011

Am nächsten Tag ging es nördlich an Lyö vorbei Richtung Als-Sund. Unser Ziel war Dyvig. Aus einem nebligen Morgen mit keinem Wind entwickelte im Laufe des Tages ein sonniges Wetter mit wenig Wind, um dann Abends nochmal richtig aufzufrischen. Alles in allem ein perfekter Segeltag.

In Dyvig war dann wie immer die grosse Familienfeier angesagt. Dummerweise lagen wir genau in Windrichtung der Grillfläche. Erst brachten die duftenden Wölkchen unsere Mägen zum knurren, später konnten wir es nicht mehr riechen. Bei Einbruch der Dunkelheit war aber auch das letzte Würstchen gegrillt. Der Grillqualm wich der frischen Landluft.

Nachts zog ein Gewitter über uns hinweg. Das Geblitze um einen herum war erstmal nett anzusehen. Ein Blitz muss aber ganz in der Nähe eingeschlagen sein. Zumindest krachte es dermassen laut, dass ich bald aus der Koje gefallen wäre.

11. September 2011

Das nächtliche Gewitter hatte auch ein bisschen mehr Wind mitgebracht. Mit dem ging es dann mehr oder weniger rasant den Als-Sund Richtung Sonderburg runter. Die Windrichtung passte grad so (Süd/Süd-Ost), dass wir nicht grossartig aufkreuzen mussten.

Eine meiner Aufgaben während dieses Trips war, in regelmässigen Abständen die vollgelaufene Toilette abzupumpen bevor sie überläuft. Die Seeventile sind nicht mehr 100% dicht und bei viel Lage drückt Wasser in die Schüssel rein. Die Ventile zu tauschen oder besser tauschen zu lassen hatte ich mir eh schon vorgenommen. Das sind noch alte Schraubventile, garantiert Erstausstattung von 1980. Diese Aktion bestätigte mein Vorhaben, auch wenns ein grösseres Loch in die Geldbörse reisst.

Nachdem wir durch die Sonderburg Brücke gefahren waren, liess der Wind langsam aber stetig nach. Kurz vor Schleimünde war auf einmal spiegelglattes Wasser und wir kamen kaum noch voran. Der Blick auf die Uhr sagte uns, dass wir uns sputen sollten, wenn wir den nächsten Brückendurchgang erreichen wollen. Also Hebel auf den Tisch. Wird knapp. Ein anderes Boot hatte den gleichen Gedanken und wir lieferten uns so eine Art Motorboot Rennen die Schlei rauf. Ohne anzuhalten passierten wir dann die Brücke mit Full Speed und einer russigen Wolke am Heck.

Urlaub 6. – 14. August 2011

Wegen diverser Terminkonflikte sollten diese 9 Tage der einzige längere Törn in diesem Sommer sein. Da es ein paar Wochen vorher sehr gut mit Melanie und mir als Zweiercrew funktioniert hat, sahen wir auch keine Probleme diesen Törn ohne weitere Mitsegler zu bestreiten. Grobe Idee war Rund Fünen. Allerdings ohne Stress. Wenn das Wetter nicht passt, wollten wir nichts erzwingen. Noch ahnten wir nicht, wie oft uns das Wetter während des Törns tatsächlich einen Strich durch die Planung machen sollte.

6. August 2011:

Wir waren in der Nacht zuvor am Boot angekommen und nutzten den ersten Tag unseres Urlaubs diverse Dinge zu erledigen. Wir besorgten uns ausreichend Proviant für die Tage und füllten Bier und Wein Vorräte auf. Bevor es losging, sollte auch endlich das Schiff einer Generalreinigung unterzogen werden. Ein Punkt war innen durchzuwischen und zu saugen. Der wirklich schweisstreibende Job war die Reinigung der Teak Scheuerleiste. Die war komplett mit Moos bewachsen und sah leicht gammelig aus. In halben Meter Etappen kratzten wir mit Scheuerschwämmen den Bewuchs vom Holz und spülten mit klarem Salzwasser. Mit einer kleinen Speiseeis Unterbrechung waren wir locker 2-3 Stunden damit beschäftigt. Noch waren auch sommerliche Temperaturen. Am Ende waren wir einmal komplett durchgeschwitzt.

Aktion: Unser Schiff soll sauber werden.

7. August 2011

Nun ging die Reise los. Erste Station war Marstall auf der dänischen Insel Aerö. Bei westlichen 5-6 Windstärken waren wir flott unterwegs. Je weiter wir uns vom Festland entfernten, umso höher wurden die Wellen. Kurz vor Marstall war das Steuern an der Pinne schon richtig Arbeit. Mit Sonnenschein und ein paar Wolken war das aber auch gut auszuhalten. Die eine oder andere Welle nahm die Atari im Surf. Insgesamt sportliches Segeln bei sommerlichem Ambiente. So könnte es weitergehen.

Kaum lagen wir in Marstall in der Box, zog auch schon die erste der vielen folgenden Schauern über uns hinweg. Das Leben zwischen Schiff, Ortskern und Sanitärräume im Hafen passte sich dem Takt der kommenden und gehenden Schauern an.

Der Wetterbericht korrigierte langsam aber sicher seine Windprognosen für die folgenden Tage nach oben. Für Rund Fünen sahs schon schlecht aus. Aber warten wir mal ab.

8. August 2011

Der nächste Morgen: super Segelwetter. Weiterhin westlicher Wind, wir wollen grob Richtung Nord-Ost, kein Problem. In den geschützten Gewässern der dänischen Südsee knapp an der Küste von Langeland entlang war auch bei etwas mehr (vielleicht 5 Windstärken) Wind kaum eine Welle zu spüren. Ohne Gross zog uns die Genua entspannt Richtung Lundeborg, das war unser Tagesziel.

In Höhe Rudköping nahmen wir das Gross dazu, weil der Wind etwas einschlief. Langsam zog sich der Himmel immer mehr zu. Es wurde dunkel als würde die Nacht anbrechen. In der Ferne waren schon Donner zu hören.

Regenschauer mit Windhose (?!)

Auf Höhe der Einfahrt zum Svendborg Sund hatte das Gewitter uns dann eingeholt. Wir hatten grad die Segel weggenommen, Ölzeug angezogen und die Schotten dicht, da erwischte uns wie aus dem Lehrbuch die Böenwalze. Es schüttete wie aus Eimern, vom Land ringsherum war nichts mehr zu sehen und der Wind heulte im Rigg. Wir konnten das Spektakel geniessen. Durch die nahe Küste waren wir gut geschützt, der Wind pfiff von hinten und der Motor schipperte uns gemächlich dem Hafen entgegen. Eine halbe Stunde später war der Spuk auch schon wieder vorbei. Anlegen in Lundeborg ging dann bei moderatem Wind und ohne Komplikationen.

9. August 2011

Zur Wochenmitte sollte der Wind immer mehr zunehmen. Deshalb brachen wir die Rund Fünen Aktion ab und segelten zurück Richtung Svendborg um dort einen Tag abzuwettern. Zurück nach Svendborg hiess dann erstmal gegen 6 in Böen 7 aufzukreuzen. Allerdings weiterhin in geschützten Gewässern und nur für 7-8 Meilen. War dann auch ein grosser Spass. Bis zum Eingang Svendborg Sund hatten wir Sonnenschein und mit stark gereffter Segelfläche war Rauschefahrt angesagt.

Kurz bevor der Sund anfing ausserhalb des Fahrwassers flach zu werden, erwischte uns dann wieder eine dicke Schauer, die komplett jede Sicht raubte. Mit dem Plotter hangelten wir uns von Tonne zu Tonne. War spannend, der Blindflug.

In Svendborg wollten wir im Stadthafen anlegen. Hier gibt es viele Möglichkeiten einen Abwetter-Tag mit interessanten Dingen zu verbringen. Auf die Idee sind wohl noch andere gekommen. Der Hafen war ziemlich voll aber wir konnten noch einen Platz im Päckchen erwischen. Unser Nachbar wollte zum Glück auch zwei Tage bleiben. Uns bleib also ein Umsortieren erspart.

10. August 2011

Sightseeing in Svendborg. Mit dem Bus gings morgens zum Waldemar Schloss, einem alten gräflichen Landsitz. Interessant war dort die Mischung aus musealer Inneneinrichtung (Möbel und Gemälde der letzten paar hundert Jahre) und einigen herumliegenden Gebrauchsgegenständen. Das Schloss ist bewohnt. Und die Räume werden von den Besitzern genutzt, wenn grad keine Öffnungszeiten sind.

Am Nachmittag gingen wieder diverse Schauern nieder, was weitere Exkursionen ein wenig einschränkte. Ausser man wollte sie im Ölzeug machen. Der Gang zur Dusche fand dann auch im Ölzeug statt. Mittlerweile hatten wir uns aufs Bücherlesen eingeschossen. Bei 12 Grad Aussentemperatur das Beste was man machen konnte. Das Buch “Wir, die Ertrunkenen”, einen Generationen Roman über Seeleute aus Marstall, fand ich eine ziemlich passende Lektüre. Zum Glück waren wir mit zwei Heizungen ausgestattet. Einem festinstalliertem Heizkörper und einem Heizlüfter. Die Kajüte brachten wir so auf gemütliche 20 Grad.

11. August 2011

Bei Nieselregen ging es dann weiter. Der Wind hatte nachgelassen. Genauer gesagt war er erstmal weg. Die Prognose sagte für den Tag 4-5 Windstärken voraus. Am Morgen war davon aber erstmal nichts zu spüren. Wir verliesen den Svendborg Sund und fuhren südlich an Drejö vorbei um danach Kurs auf Söby zu nehmen.

Impressionen aus der dänischen Südsee.

Kaum waren wir um Drejö rum, kam zum Dauerregen wieder starker Wind dazu. Mit Reff im Gross und Genua hangelten wir uns Richtung Ziel. Das war auch definitv wieder mehr als 4-5 Windstärken. Mittlerweile waren wir etwas lustlos geworden. Das Wetter war einfach zu trist. Uns wurde langsam kalt.

Im Hafen angekommen, gings so weiter mit dem Wetter. Dauerregen. Jeder Gang in den Ort oder zur Toilette hiess Ölzeug anziehen. Also wieder Bücher vor die Nase und warten auf bessere Zeiten.

12. August 2011

Viel besser wurde es am nächsten Tag leider auch nicht. Wir wollten uns schnell nach Mommark hangeln und von dort dann am Tag darauf zurück nach Schleimünde. Mommark war schnell erreicht. Mit halben bis achterlichen Wind auch nicht sehr unangenehm. Obwohl es weiterhin duster und feucht-regnerisch war.

Dummerweise hab ich irgendwie verdrängt, dass bei Nord-Ost ziemlich Schwell im Hafen Mommark stehen soll. Und was hatten wir für Wind? Wir bemerkten es deutlich, als wir die Hafeneinfahrt passiert hatten. Die neuen Schwimmstege mit einem einsamen festgemachten Boot tanzten auf den Wellen. Ich denke einen halben Meter ging es ständig auf und ab. Also schnell wieder raus. Bei ordentlich Welle gegenan kämpften wir uns unter Motor wieder in freies Wasser und legten Kurs Richtung Hörup Havn an.

Bis dahin wars ein paar Meilen. Genauer gesagt 18. Und seelisch und moralisch hatten wir ja schon in Mommark festgemacht. Aber half nichts, Backen zusammenkneifen und durch. Das gute war, dass das Wetter langsam aufklarte. Somit waren die 3-4 Stunden am Ende noch schönes Segeln.

In Hörup konnten wir uns dann doch noch eine Runde die Beine vertreten. Das erste mal seit 3 Tagen ohne Ölzeug.

13. August 2011

Kurs Heimat hiess es an diesem Tag. Bei immernoch achterlichem, frischen Wind lugte sogar hin und wieder mal die Sonne raus.

Wir hatten uns mit Ralf (Akinom) und seiner Crew vor ein paar Tagen für heute in Schleimünde verabredet. Ich war von den letzten Segeltagen so abgetörnt, dass ich eigentlich schon wieder abgesagt hatte und direkt nach Kappeln durchziehen wollte. In Schleimünde bei Regenwetter rumhängen braucht kein Mensch.

Aber je näher wir Schleimünde kamen, umso schöner wurde es. Immer weniger Wolken, die Sonne wärmte wieder. Also gut, auf einen Kaffee können wir uns ja zumindest treffen. Schleimünde war aussergewöhnlich leer. Wir machten fest und 1 Stunde später traf Ralf ein. Wo wir so zusammensassen machte sich endlich wieder Sommerstimmung breit. Kein Ölzeug, kein Frieren sondern kurze Hosen waren angesagt. Nachdem der Kaffee getrunken war, standen auf einmal Biere auf dem Tisch und die Entscheidung war gefallen. Wir bleiben über Nacht.

Thema der versammelten Runde war natürlich das beschissene Wetter. Die Akinom kam grad von einem 3 Wochen Törn zurück und im grossen und ganzen erging es ihnen während der ganzen Zeit so, wie uns in der vergangenen Woche.

Leuchtturm Schleimünde

Als Highlight des Abends stellte sich heraus, dass gerade ein Künstlerfest auf Schleimünde veranstaltet wurde. In der vergangenen Woche hatten die Teilnehmer an diversen Kunstwerken gearbeitet, die über Schleimünde verteilt installiert waren. Später sollte es noch eine Lesung und eine musikalische Performance geben. Letzteres war dann auch ziemlich abgefahren. Die Zuschauer standen am Pier, wo normalerweise die Fahrgastschiffe anlegen, und rundherum verteilt an Land oder schwimmend auf Booten fuhren Musiker mit Trompeten, Gongs, Geigen etc. Es entstand ein Sound, der sich um die Zuhörer herum im Raum bewegte. Tolle Sache. Schade, dass nur so aussergewöhnlich wenige Segler in Schleimünde waren (oder haben sie sich vom Künstlertreffen abschrecken lassen? Dann haben sie auf jeden Fall was verpasst).

14. August 2011

Die letzte Etappe war schnell vorüber. 45 Minuten nach dem Ablegen fuhren wir durch die Kappelner Brücke. 10 Minuten später lagen wir fest im Hafen.

Ein gemischter Urlaubstörn ging zu Ende. Auf ein paar Tage in der Mitte hätte man verzichten können. Die Freude über den Sommertag in Schleimünde wäre dann aber bestimmt nicht so gross ausgefallen.

Wochenend Törn: 8. – 10. Juli 2011

Es stand der erste gemeinsame Törn mit meiner Lieblingsbordfrau Melanie an. Ich war gespannt, wie ihr wohl das Schiff gefallen wird, sie war gespannt, wie ihr wohl das Segeln darauf gefallen wird. Wir waren zwar schon öfters gemeinsam segeln, aber nie allein. Und sie hatte noch wenig Routine in den Dingen, die man als Mitseglerin zwangsläufig erledigen muss, wenn man nur zu zweit unterwegs ist.

Wir fuhren schon Donnerstag Nacht nach Kappeln. Gegen 2 Uhr kamen wir am Schiff an. Schnell ein bisschen Bordroutine (Strom anschliessen, Luken öffnen, Koje beziehen) und ab in die Federn.

8. Juli 2011

Am nächsten Morgen verbimmelten wir dank ausgiebigem Frühstück, diversen Regenschauern, Einkaufen, kleinere Säuberungsaktion und ähnlichen Dingen 2-3 Brückenöffnungszeiten (Die Brücke öffnet nur einmal je Stunde). Auf einmal war Mittag vorbei und wir beschlossen den Tag in Kappeln zu bleiben um nicht erst Abends irgendwo in Dänemark anzukommen.

Nachmittags kam dann auch die Sonne öfters mal raus, so dass wir die Zeit mit Spazierengehen, Fischbrötchen Essen und im Cockpit rumlümmeln verbrachten. Der Liegeplatz bietet dabei eine phänomenale Aussicht. Ganz am Ende vom Steg gelegen schaut man Richtung Westen die Schlei rauf und hat fast das Gefühl vor Anker zu liegen.

Nachmittag und Sonnenschein

Abends meldete sich Ralf, der mit seiner IW-31 Akinom auch am Wochenende unterwegs war und wir verabredeten uns für Samstag in Gelting.

9. Juli 2011

Am nächsten Morgen klappte es auch nach Dusche und Frühstück mit der Brückendurchfahrt. Es war leichter Wind aus Süd bis Süd-West gemeldet. Also für unseren Kurs Richtung Flensburger Förde ziemlich platt vorm Laken. Für etwas mehr Segelspass kreuzten wir lieber vor dem Wind.

Auf Höhe des Leuchtturms Kalkrund nahm der Wind langsam zu. Hin und wieder fegte auch eine kleine Schauerbö über die Förde. Zeitweise war ein Reff angesagt. Mit zwei Rollreffs für Genua und Gross ist das aber schnell und unkompliziert vom Cockpit aus erledigt. Insgesamt wurde es ziemlich dunkel rundherum. Der grosse Regen blieb aber erstmal aus.

Am späten Nachmittag begrüssten wir in Gelting Ralf mit seiner Crew, die uns einen Platz neben sich freigehalten hatten. Nach Leinen übergeben, Festmachen und Anlegerbierchen war erstmal Schiffsbesichtigung angesagt.

Wir überlegten erst gemeinsam zu Grillen, bzw. zu schauen ob es im kleinen Laden um die Ecke was zum Grillen gibt. Allerdings zogen immer mehr dunkle Wolken rundherum auf.

Vorratshaltung für schlechte Zeiten.

So kochten wir erst getrennt unsere mitgebrachten Vorräte und verabredeten uns dann für später auf der Atari zum Klönschnack. Dort sassen wir dann zu sechst rund um den Salontisch und widmeten uns der Alkoholvorräte und diversen Würfelspielen. Dass dabei kein Sardinenbüchsen Ambiente aufkommt fand ich erstaunlich. Immerhin ist die Atari nur 8,80 lang und 2,85 m breit.

10. Juli 2011

Die Akinom Crew legte deutliche Frühaufsteher Qualitäten an den Tag. Als wir grad die Luke öffneten wurden gegenüber schon die Leinen losgeworfen. Melanie und ich liessen es langsamer angehen. Ob wir nun um 22 oder 23 Uhr zuhause sind spielt keine Rolle.

Die gleiche Strecke des Vortags ging es nach dem Frühstück nun Retour. Im Vergleich  war der Himmel einiges klarer. Allerdings war der Wind auch deutlich schwächer. Es war ein ganz gemütliches Zurückschippern bei Sonnenschein. Gegen späten Nachmittag waren wir zurück in Kappeln und zwischen 17 und 18 Uhr auf der Autobahn.

Ein tolles Wochenende ging zu Ende.

Pimp my Gasanlage

Die Voreigner hatten eine mehr oder weniger unorthodoxe Methode den Gasanschluss am Herd und Backofen zu realisieren. Unter dem Herd lag ein aufgerollter Gasschlauch, der bis ins Cockpit reichte. Bei Benutzung wurde die Campingaz Kartusche aus der Backskiste gekramt, ins Cockpit gestellt, Schlauch angeschraubt und los gings mit der Essenszubereitung.

Mir kam das einerseits ziemlich umständlich vor, andererseits auch zu riskant. Die Backskiste ist zum Innenraum komplett offen und es gibt keinen Ablauf nach Aussen, der austretendes Gas abführen würde. Was da passieren kann, kann sich jeder selbst ausmalen.

Die erste persönliche Optimierung der Atari bestand also darin, den ursprünglich mal vorhandenen Zustand wiederherzustellen. Gas Flasche im Ankerkasten, Kupferleitung zum Herd und alles miteinander fest verbunden. Ich glaube werftseitig war das zwar nicht vorinstalliert, einer der Voreigner hatte die Kupferleitung aber schon gelegt. Im Ankerkasten wurde ein neues Edelstahl Gestell für die Kartusche angeschraubt, das die Benutzung des Ankers nicht behindert.

Wie es sich gehört ist die Gasanlage natürlich vom Sachverständigen abgenommen worden.

Die Überführung: 27. bis 29. Juni 2011

Der alte Heimathafen der Ohlson 8:8 Atari war Wismar, der neue war und ist Kappeln an der Schlei. Das gute Stück musste also dort hin bewegt werden. Was dazu zunächst fehlte waren 1-2 Mitsegler. Einhand wollte ich die Sache nicht angehen. Erstens hab ich damit keine Erfahrung, zweitens kannte ich das Boot noch nicht richtig, drittens war im angepeilten Zeitraum öfters mehr Wind am Start als mir in Kombination mit den ersten beiden Gründen lieb war.

Alter Hafen Wismar

Schon länger war für das Feiertags Wochenende vom 23. – 26. Juni ein Segeltörn geplant, unabhängig vom aktuellen Bootskauf. Das hätte natürlich wunderbar für die Überführung gepasst. Leider mussten mir beide Mitsegler kurzfristig aus familiären Gründen absagen.

Nach einigem hin und her (Telefonaten mit diversen ehemaligen Mitseglern, Terminverschiebungen zunächst auf Juli, netterweise Erlaubnis der Vorbesitzer ihren Liegeplatz auch bis dahin noch nutzen zu dürfen und letztendlicher spontaner Zusage von Mitsegler Patrick bei der Überführung dabei zu sein), sollte die Reise am 27. Juni beginnen.

Wir trafen uns in Wismar am Boot. Ich hatte schon einige Vorbereitungen getroffen. Grundeinkauf erledigt, Wassertank gefüllt, Diesel gecheckt, kleinere Reparaturen erledigt.

Die Wettervorhersage versprach einen vielversprechenden Start in die erste Saison auf eigenem Kiel. Moderater Wind aus Ost bis Süd-Ost mit viel Sonne, kein Regen. Was will man mehr?

Montag, 27. Juni 2011:

Los gings nach dem Frühstück mit Flaute und Dieselunterstützung. Unterhalb von Poel fuhren wir erstmal durch ein riesiges Quallenfeld. Sowas hatte ich noch nicht gesehen. Ich hatte wirklich Angst, dass sich eine unglücklich am Wassereintritt vom Motor verklemmt und uns ein Kühlwassserproblem bereitet. Hinter uns blieb ein Streifen aus Quallenmatsch im Wasser.

Je weiter wir in offeneres Wasser kamen, umso weniger stauten sich die Quallen. Gegen Mittag kam Wind auf. Die Segel wurden zum erstenmal gesetzt. Ich war schon sehr gespannt, wie die Segeleigenschaften sein würden. Vor allem wie sich das Rollgross verhält. Bei dem Teil war ich schon sehr skeptisch. Lieber wäre mir ein normales Gross mit Reffreihen gewesen. Ich redete mir vor dem Kauf die Sache gut, indem ich mir die Option offenhielt spätestens beim nächsten Gross-Segel die Rollanlage demontieren zu können.

Der erste Eindruck unter Segeln lies die Skepsis aber schnell verfliegen. Am Wind machte die Atari ein gute Figur, die Segel standen gut, das Schiff machte bei wenig Lage guten Speed. 6 Knoten Fahrt waren schnell erreicht. Patrick und ich strahlten mit der Sonne um die Wette.

Die erste Wende brachte dafür eine andere Problemzone zu Tage. Die Genua bleibt gern mal am Babystag hängen. Was das Manöver erstmal komplett versaut. Einer muss nach vorne, den verhakten Knoten losstupsen. Wenns dumm läuft geht das Boot mit back stehender Genua vorher wieder auf den alten Bug. Wer hat sich denn so einen Mist ausgedacht.. ;) Aber hilft ja nichts.

Am Nachmittag drehte der Wind aber weiter Richtung Süd-Ost. Für uns, die wir Richtung Fehmarn unterwegs waren also achterlicher Wind. Somit störte auch erstmal das Backstag nicht mehr.

Am Abend kamen wir dann in Orth auf Fehmarn an. Nach kleinem hin und her in der Box, weil die Heck Leine in Luv erstmal nicht über den Pfosten wollte war es Zeit für das Anlegerbier und Grillaktion bei Sonnenuntergang.

Erstes Fazit des frischgebackenen Eigners: Ging doch ganz gut für den Anfang. Scheint ein guter Kauf gewesen zu sein.

Dienstag, 28. Juni 2011:

Über Nacht hatte der Wind etwas aufgefrischt und blies schräg aufs Heck. Schön wäre eine längere Vorleine gewesen, die den Bug beim Verholen des Schiffes zum Heckpfosten in der Mitte der Box halten kann. Mit Ablege-Hilfe vom Steg aus wars kein Problem. Die längere Leine für das Ablegen mit Vorleine auf Slip und Mitführen vom Boot aus kam aber gleich auf die Einkaufsliste.

Mit achterlichem Wind fuhren wir den Tag über Kurs West, Richtung Kiel. Wie am Vortag gab es an Wind und Wetter nichts zu meckern. Der aufgefrischte Wind lies uns noch etwas flotter unterwegs sein. Die achterliche Richtung sorgte für entspanntes Segeln.

Eigentlich wollten wir nach Laboe in die Baltic Bay Marina. Laut Sejlerens mit gutem Restaurant am Hafen. Das zog uns hautpsächlich dahin. Wir sahen uns schon bei Sonnenuntergang mit Whiskey in der Hand dort sitzen. Im Hafen dann kleine Ernüchterung. Der war rappelvoll. Vielleicht wegen der Kieler Woche, die am Sonntag zu Ende gegangen war? Auch im alten Hafen war nichts zu machen.

Während der grossen Hafenrundfahrt durch die Boxengassen entdeckte ich dann für mich neue Manövriereigenschaften am Boot. Rückwärts machte sich, solange nicht richtig Fahrt im Schiff ist, ein ausgeprägter Radeffekt bemerkbar. Bei wenig Fahrt kontrolliert Rückwärts fahren war nicht drin. Das lies erstmal ein paar Schweissperlen auf meiner Stirn erscheinen. In der Hektik gab ich dann mal ordentlich Schub voraus, mit dem Ergebnis, dass die Ohlson bei eingeschlagenem Ruder quasi auf dem Teller drehte. Das Manöver kam dann in jeder Boxengasse zum Einsatz. Wenden in einem Zug. Wer braucht da schon kontrollierte Rückwärtsfahrt? ;)

Das Ende vom Lied war dann, dass wir mangels Liegeplätze zurück nach Wendtorf gefahren sind. Statt gutem Restaurant gabs eine Curry Wurst von der Bude, statt Whiskey ein Flens. Flasche leckeren Wein dann im Cockpit, als kleinen Kontrast zum kulinarischen Angebot des Hafens, der schonmal bessere Zeiten gesehen hat.

Mittwoch, 29. Juni 2011:

Bis Schleimünde wars am nächsten Morgen dann nicht mehr weit. Das schöne Wetter hielt noch durch. Angenehmes Segeln bei halbem Wind war angesagt. Am Leuchtturm stellten wir dann fest, dass wir nach Uhr und Distanzvergleich den nächsten Brückendurchgang wohl knapp verpassen werden. Also Speed raus und gemütliches hingedümpel Richtung Brücke Kappeln. Am späten Nachmittag lag die Atari dann fest im neuen Heimathafen bei FinMarine.

Fazit: Die Unsicherheit, die sich beim Kauf eines Schiffs am Anfang breit macht, war komplett beseitigt. Immerhin hat die gute schon über 30 Jahre im Kielwasser. Und bei aller Vorsicht beim Kauf, irgendwelche versteckten Mängel können immer auftauchen. Aber – toi, toi, toi – alles hat funktioniert, das Schiff läuft gut, es macht Spass – die erste Saison kann kommen.