Der Name Atari

Im frisch gekauften Zustand hörte die Ohlson 8:8 noch auf den Namen Strelasund. Wie lange das bereits der Name des Schiffes war kann ich nicht sagen. Nur mir war schnell klar, dass die Zeit des Namens langsam abgelaufen war. Das Boot nach einer Wasserfläche zwischen Rügen und Festland zu benennen ist nach meinem Geschmack ein bisschen zu spröde.

Das Thema Schiffe umbenennen wird in diversen Foren kontrovers behandelt. Manche sagen “Auf keinen Fall umbennen! Bringt Unglück”, andere sagen “Umbennen geht, aber nur nach Eignerwechsel und ordentlicher Taufzeremonie”. Den Dritten ist es Wurscht halten das alles für Aberglaube und taufen um wie sie lustig sind.

Ich beschloss, dass zwei von dreien schon recht haben müssten und machte mich an die Namensfindung. Mit dem Prozess möchte ich nicht langweilen. Am Ende stand fest, die Ohlson wird Atari heissen. Aber warum Atari?

Die etwas älteren werden es noch wissen. Anfang der 80er gab es von der Firma Atari eines der ersten und damals verbreitesten Videospiel Systeme (Atari VCS). Als Kind war ich davon ein echter Fan und hatte viel Spass mit der Rumdaddelei. Spass und Freude soll auch die Ohlson spenden. Ausserdem ist sie auch ein Kind der 80er. Passt irgendwie zusammen.

Werbemotiv Atari VCS mit Spiel PacMan.

Das zweite mal mit Atari kam ich Anfang bis Mitte der 90er in Kontakt. Diesmal in Form des Computers Atari ST, der aufgrund seiner standardmässig eingebauten Midi Schnittstelle sehr geeignet zum Musik machen war. Musik hab ich auch gemacht, Spass und Freude war dabei – passt wieder zusammen.

Schlussendlich wollte ich einen Namen, der nicht an jedem zweiten Schiff klebt. Die Ohlson schien auch einverstanden zu sein. Der alte Name liess sich leicht vom Rumpf lösen. Die Taufzeremonie wurde mit einem Becher des “Eignerwechsel Geschenksekt” vollzogen. Rasmus hat auch was abbekommen. Spass und Freude war dabei.

Die Suche nach dem Boot

Als die Entscheidung, in die Reihen der Boots-Eigner zu wechseln, nach jahrelangem Ringen mit mir selbst endlich stand, war schon wieder eine nicht unwesentliche Entscheidung fällig: Welches Boot solls denn nun sein?

Klar, auch ohne konkreten Anlass hab ich jahrelang die Bootsbörse in der Yacht beobachtet. Klar lief ich in dänischen Häfen schon 100 mal die Stege auf und ab. Und klar hatte ich nach Erfahrungen mit diversen Charter- und Eigneryachten schon drüber nachgedacht, wie ich dies und jenes Ausstattungsmerkmal fände, wenn es mein Schiff wäre. Nur eine passende Marke oder einen Schiffstyp hatte ich dabei nicht im Kopf. Auch schon daher, dass oft an den Schiffen denen man so begegnet nicht dransteht, was es für eines ist, wenn man nicht grad sämtliche Segelzeichen auswendig kennt.

Also systematisches Vorgehen. Grundlagenforschung durch ältere Bootstests (die beiden 99 Klassiker von Palstek haben sich da bewährt) und rumgegoogele. Dazu Kassensturz (eigentlich der limitierende Faktor) und Wunschlisten mit Ausstattungsmerkmalen anlegen.

Was mindestens bei rauskommen sollte:

  • genügend Raum für Urlaubstörns mit 3-4 Personen
  • GFK Rumpf
  • Toilette und Kochgelegenheit
  • Innenborder
  • gefällige Optik
  • Regattaqualitäten sind nicht entscheidend, trotzdem bitte keine lahme Ente
  • und, naja, Segel braucht es

Es lief dann relativ schnell auf um die 30 Fuss von Mitte 70er bis Anfang 80er Jahre (dank des limitierenden Faktors) hinaus. Wegen dem Werterhalt am besten ein bekannterer Bootstyp. Die Recherchequellen wiesen bei einigen Typen auf mehr oder weniger schwerwiegende Anfälligkeiten hin (Osmose, labile Rumpf-Decksverbindungen, unwartbare Maschinen, rostanfällige Kielverbindungen, leckende Rumpffenster etc.), so dass sich die Kandidaten am Ende auf eine handvoll konkreter Angebote aus diversen Online Bootsmärkten reduzierte. Optima 920, Bandholm 28, Contention 33, Dufour 31, Dufour 2800, Bavaria 890, Elvström 32, First 28, Bianca 28 und noch ein paar mehr waren darunter. Na gut, zwei Hände voll.

Als die Auswahl zusammengestellt war, gings erstmal zum länger geplanten Segeln. Mit Ralf (iw-31.de) und Mitsegler Martin 2 Wochen um Seeland rum. Ich hatte die Hoffnung mein Traumboot in einem verträumten dänischen Hafen zu finden. Oder zumindest viele unterschiedliche Typen unkompliziert besichtigen zu können. Mitte Mai war mit Schiffe gucken aber nicht viel los. Je weiter nördlich wir waren, desto weniger Schiffe waren überhaupt im Wasser. Von “til salg” ganz zu schweigen. Genau ein Angebot hab ich mir angesehen. Beason 32. Grosses Teil für kleines Geld, nur leider völlig abgerockt.

Die Beason 32. Von aussen sah sie ganz gut aus. Innen hat sich leider ein sehr ambitionierter Heimwerker ausgetobt.

Nach dem Törn, Runde zwei der Recherche. Die interessanten Angebote von vor dem Urlaub waren leider schon verkauft. Aus den neuen Angeboten kristallisierten sich nun plötzlich einige Ohlsons raus. Die 29 und die 8:8. Angebote gabe es in Holland, im Raum Travemünde/Wismar und bei Flensburg. Besichtigungen vor Ort standen nun also an. Ich wollte endlich mal die Angebote und vor allem auch die interessanten und erschwinglichen Typen in echt ansehen.

Holland war erstmal eine Enttäuschung. Die besuchte Ohlson 29 und Dufour 31 waren in einem nicht sehr schönen Zustand. Pflegestau, verbastelt und muffige Athmosphäre. Ich bekam Zweifel, ob mein Budget zu meinen Erwartungen passt. Auf eine Bastelbude hatte ich keine Lust. Oder am Ende mein Geld sogar im wahrsten Sinne des Wortes zu versenken.

Zum Vatertag, eine Woche später,  wollte ich die nächste Besichtigungsrunde einläuten. Erst nach Travemünde zu einer Elvström 32, danach in Wismar eine Ohlson 8:8 und ggf. noch die Grosse runde nach Flensburg hoch zu einer Ohlson 29 und Albin Ballad. Alle Schiffe hörten sich im Gespräch mit den Eignern bzw. Verkäufern sehr interessant an. Fotos sahen auch vielversprechend aus.

Die Elvström war dann auch tatsächlich ein Hingucker. Gut gepflegt, geräumiges Schiff, gut aufgeteilt im Inneren, ich hätte sie fast genommen. Wenn ich danach nicht die Ohlson 8:8 besichtigt hätte. Zwar kürzer und schmaler als die Elvström, wirkte die auf einmal total leicht und luftig im Innenraum. Einfach freundlich, einladend mit Ihrem gelben 70er Jahre Oma Sofastoff. Es gab einen Backofen, selbstholende Winschen, einen Autopilot, eine Heizung, einen Genacker, Sprayhood und Kuchenbude. Segel fühlten sich auch noch OK an. Die damaligen Eigner nahmen sich auch viel Zeit für mich, erklärten alles, legten Schwächen offen, eine Testfahrt war auch drin. Es passte einfach.

Die Ohlson 8:8 Deluxe.

Die Flensburg Nummer lies ich ausfallen und hielt bei Hamburg an einer Raststätte an um eine Pro/Contra Liste anzulegen. Die Schiffe gingen mir nicht aus dem Kopf und ich hatte das Gefühl, ich muss mich schnell entscheiden ehe jemand anderes die Gelegenheit nutzt. Zu gross war der Unterschied zu den Schiffen aus Holland.

Ich ging zuhause dann mit meiner Freundin die Pros und Cons durch. Sie verstand nur Bahnhof was ich da alles erzählte, von Rollgenua bis feststehendem Propeller. Die Ohlson fand Sie aber auch schon von den Bildern her sympathisch. Über Nacht sackte die Geschichte, am nächsten Tag war die Entscheidung gefallen. Die Ohlson 8:8 wird gekauft.