Wochenend Törn: 8. – 10. Juli 2011

Es stand der erste gemeinsame Törn mit meiner Lieblingsbordfrau Melanie an. Ich war gespannt, wie ihr wohl das Schiff gefallen wird, sie war gespannt, wie ihr wohl das Segeln darauf gefallen wird. Wir waren zwar schon öfters gemeinsam segeln, aber nie allein. Und sie hatte noch wenig Routine in den Dingen, die man als Mitseglerin zwangsläufig erledigen muss, wenn man nur zu zweit unterwegs ist.

Wir fuhren schon Donnerstag Nacht nach Kappeln. Gegen 2 Uhr kamen wir am Schiff an. Schnell ein bisschen Bordroutine (Strom anschliessen, Luken öffnen, Koje beziehen) und ab in die Federn.

8. Juli 2011

Am nächsten Morgen verbimmelten wir dank ausgiebigem Frühstück, diversen Regenschauern, Einkaufen, kleinere Säuberungsaktion und ähnlichen Dingen 2-3 Brückenöffnungszeiten (Die Brücke öffnet nur einmal je Stunde). Auf einmal war Mittag vorbei und wir beschlossen den Tag in Kappeln zu bleiben um nicht erst Abends irgendwo in Dänemark anzukommen.

Nachmittags kam dann auch die Sonne öfters mal raus, so dass wir die Zeit mit Spazierengehen, Fischbrötchen Essen und im Cockpit rumlümmeln verbrachten. Der Liegeplatz bietet dabei eine phänomenale Aussicht. Ganz am Ende vom Steg gelegen schaut man Richtung Westen die Schlei rauf und hat fast das Gefühl vor Anker zu liegen.

Nachmittag und Sonnenschein

Abends meldete sich Ralf, der mit seiner IW-31 Akinom auch am Wochenende unterwegs war und wir verabredeten uns für Samstag in Gelting.

9. Juli 2011

Am nächsten Morgen klappte es auch nach Dusche und Frühstück mit der Brückendurchfahrt. Es war leichter Wind aus Süd bis Süd-West gemeldet. Also für unseren Kurs Richtung Flensburger Förde ziemlich platt vorm Laken. Für etwas mehr Segelspass kreuzten wir lieber vor dem Wind.

Auf Höhe des Leuchtturms Kalkrund nahm der Wind langsam zu. Hin und wieder fegte auch eine kleine Schauerbö über die Förde. Zeitweise war ein Reff angesagt. Mit zwei Rollreffs für Genua und Gross ist das aber schnell und unkompliziert vom Cockpit aus erledigt. Insgesamt wurde es ziemlich dunkel rundherum. Der grosse Regen blieb aber erstmal aus.

Am späten Nachmittag begrüssten wir in Gelting Ralf mit seiner Crew, die uns einen Platz neben sich freigehalten hatten. Nach Leinen übergeben, Festmachen und Anlegerbierchen war erstmal Schiffsbesichtigung angesagt.

Wir überlegten erst gemeinsam zu Grillen, bzw. zu schauen ob es im kleinen Laden um die Ecke was zum Grillen gibt. Allerdings zogen immer mehr dunkle Wolken rundherum auf.

Vorratshaltung für schlechte Zeiten.

So kochten wir erst getrennt unsere mitgebrachten Vorräte und verabredeten uns dann für später auf der Atari zum Klönschnack. Dort sassen wir dann zu sechst rund um den Salontisch und widmeten uns der Alkoholvorräte und diversen Würfelspielen. Dass dabei kein Sardinenbüchsen Ambiente aufkommt fand ich erstaunlich. Immerhin ist die Atari nur 8,80 lang und 2,85 m breit.

10. Juli 2011

Die Akinom Crew legte deutliche Frühaufsteher Qualitäten an den Tag. Als wir grad die Luke öffneten wurden gegenüber schon die Leinen losgeworfen. Melanie und ich liessen es langsamer angehen. Ob wir nun um 22 oder 23 Uhr zuhause sind spielt keine Rolle.

Die gleiche Strecke des Vortags ging es nach dem Frühstück nun Retour. Im Vergleich  war der Himmel einiges klarer. Allerdings war der Wind auch deutlich schwächer. Es war ein ganz gemütliches Zurückschippern bei Sonnenschein. Gegen späten Nachmittag waren wir zurück in Kappeln und zwischen 17 und 18 Uhr auf der Autobahn.

Ein tolles Wochenende ging zu Ende.

Pimp my Gasanlage

Die Voreigner hatten eine mehr oder weniger unorthodoxe Methode den Gasanschluss am Herd und Backofen zu realisieren. Unter dem Herd lag ein aufgerollter Gasschlauch, der bis ins Cockpit reichte. Bei Benutzung wurde die Campingaz Kartusche aus der Backskiste gekramt, ins Cockpit gestellt, Schlauch angeschraubt und los gings mit der Essenszubereitung.

Mir kam das einerseits ziemlich umständlich vor, andererseits auch zu riskant. Die Backskiste ist zum Innenraum komplett offen und es gibt keinen Ablauf nach Aussen, der austretendes Gas abführen würde. Was da passieren kann, kann sich jeder selbst ausmalen.

Die erste persönliche Optimierung der Atari bestand also darin, den ursprünglich mal vorhandenen Zustand wiederherzustellen. Gas Flasche im Ankerkasten, Kupferleitung zum Herd und alles miteinander fest verbunden. Ich glaube werftseitig war das zwar nicht vorinstalliert, einer der Voreigner hatte die Kupferleitung aber schon gelegt. Im Ankerkasten wurde ein neues Edelstahl Gestell für die Kartusche angeschraubt, das die Benutzung des Ankers nicht behindert.

Wie es sich gehört ist die Gasanlage natürlich vom Sachverständigen abgenommen worden.

Die Überführung: 27. bis 29. Juni 2011

Der alte Heimathafen der Ohlson 8:8 Atari war Wismar, der neue war und ist Kappeln an der Schlei. Das gute Stück musste also dort hin bewegt werden. Was dazu zunächst fehlte waren 1-2 Mitsegler. Einhand wollte ich die Sache nicht angehen. Erstens hab ich damit keine Erfahrung, zweitens kannte ich das Boot noch nicht richtig, drittens war im angepeilten Zeitraum öfters mehr Wind am Start als mir in Kombination mit den ersten beiden Gründen lieb war.

Alter Hafen Wismar

Schon länger war für das Feiertags Wochenende vom 23. – 26. Juni ein Segeltörn geplant, unabhängig vom aktuellen Bootskauf. Das hätte natürlich wunderbar für die Überführung gepasst. Leider mussten mir beide Mitsegler kurzfristig aus familiären Gründen absagen.

Nach einigem hin und her (Telefonaten mit diversen ehemaligen Mitseglern, Terminverschiebungen zunächst auf Juli, netterweise Erlaubnis der Vorbesitzer ihren Liegeplatz auch bis dahin noch nutzen zu dürfen und letztendlicher spontaner Zusage von Mitsegler Patrick bei der Überführung dabei zu sein), sollte die Reise am 27. Juni beginnen.

Wir trafen uns in Wismar am Boot. Ich hatte schon einige Vorbereitungen getroffen. Grundeinkauf erledigt, Wassertank gefüllt, Diesel gecheckt, kleinere Reparaturen erledigt.

Die Wettervorhersage versprach einen vielversprechenden Start in die erste Saison auf eigenem Kiel. Moderater Wind aus Ost bis Süd-Ost mit viel Sonne, kein Regen. Was will man mehr?

Montag, 27. Juni 2011:

Los gings nach dem Frühstück mit Flaute und Dieselunterstützung. Unterhalb von Poel fuhren wir erstmal durch ein riesiges Quallenfeld. Sowas hatte ich noch nicht gesehen. Ich hatte wirklich Angst, dass sich eine unglücklich am Wassereintritt vom Motor verklemmt und uns ein Kühlwassserproblem bereitet. Hinter uns blieb ein Streifen aus Quallenmatsch im Wasser.

Je weiter wir in offeneres Wasser kamen, umso weniger stauten sich die Quallen. Gegen Mittag kam Wind auf. Die Segel wurden zum erstenmal gesetzt. Ich war schon sehr gespannt, wie die Segeleigenschaften sein würden. Vor allem wie sich das Rollgross verhält. Bei dem Teil war ich schon sehr skeptisch. Lieber wäre mir ein normales Gross mit Reffreihen gewesen. Ich redete mir vor dem Kauf die Sache gut, indem ich mir die Option offenhielt spätestens beim nächsten Gross-Segel die Rollanlage demontieren zu können.

Der erste Eindruck unter Segeln lies die Skepsis aber schnell verfliegen. Am Wind machte die Atari ein gute Figur, die Segel standen gut, das Schiff machte bei wenig Lage guten Speed. 6 Knoten Fahrt waren schnell erreicht. Patrick und ich strahlten mit der Sonne um die Wette.

Die erste Wende brachte dafür eine andere Problemzone zu Tage. Die Genua bleibt gern mal am Babystag hängen. Was das Manöver erstmal komplett versaut. Einer muss nach vorne, den verhakten Knoten losstupsen. Wenns dumm läuft geht das Boot mit back stehender Genua vorher wieder auf den alten Bug. Wer hat sich denn so einen Mist ausgedacht.. ;) Aber hilft ja nichts.

Am Nachmittag drehte der Wind aber weiter Richtung Süd-Ost. Für uns, die wir Richtung Fehmarn unterwegs waren also achterlicher Wind. Somit störte auch erstmal das Backstag nicht mehr.

Am Abend kamen wir dann in Orth auf Fehmarn an. Nach kleinem hin und her in der Box, weil die Heck Leine in Luv erstmal nicht über den Pfosten wollte war es Zeit für das Anlegerbier und Grillaktion bei Sonnenuntergang.

Erstes Fazit des frischgebackenen Eigners: Ging doch ganz gut für den Anfang. Scheint ein guter Kauf gewesen zu sein.

Dienstag, 28. Juni 2011:

Über Nacht hatte der Wind etwas aufgefrischt und blies schräg aufs Heck. Schön wäre eine längere Vorleine gewesen, die den Bug beim Verholen des Schiffes zum Heckpfosten in der Mitte der Box halten kann. Mit Ablege-Hilfe vom Steg aus wars kein Problem. Die längere Leine für das Ablegen mit Vorleine auf Slip und Mitführen vom Boot aus kam aber gleich auf die Einkaufsliste.

Mit achterlichem Wind fuhren wir den Tag über Kurs West, Richtung Kiel. Wie am Vortag gab es an Wind und Wetter nichts zu meckern. Der aufgefrischte Wind lies uns noch etwas flotter unterwegs sein. Die achterliche Richtung sorgte für entspanntes Segeln.

Eigentlich wollten wir nach Laboe in die Baltic Bay Marina. Laut Sejlerens mit gutem Restaurant am Hafen. Das zog uns hautpsächlich dahin. Wir sahen uns schon bei Sonnenuntergang mit Whiskey in der Hand dort sitzen. Im Hafen dann kleine Ernüchterung. Der war rappelvoll. Vielleicht wegen der Kieler Woche, die am Sonntag zu Ende gegangen war? Auch im alten Hafen war nichts zu machen.

Während der grossen Hafenrundfahrt durch die Boxengassen entdeckte ich dann für mich neue Manövriereigenschaften am Boot. Rückwärts machte sich, solange nicht richtig Fahrt im Schiff ist, ein ausgeprägter Radeffekt bemerkbar. Bei wenig Fahrt kontrolliert Rückwärts fahren war nicht drin. Das lies erstmal ein paar Schweissperlen auf meiner Stirn erscheinen. In der Hektik gab ich dann mal ordentlich Schub voraus, mit dem Ergebnis, dass die Ohlson bei eingeschlagenem Ruder quasi auf dem Teller drehte. Das Manöver kam dann in jeder Boxengasse zum Einsatz. Wenden in einem Zug. Wer braucht da schon kontrollierte Rückwärtsfahrt? ;)

Das Ende vom Lied war dann, dass wir mangels Liegeplätze zurück nach Wendtorf gefahren sind. Statt gutem Restaurant gabs eine Curry Wurst von der Bude, statt Whiskey ein Flens. Flasche leckeren Wein dann im Cockpit, als kleinen Kontrast zum kulinarischen Angebot des Hafens, der schonmal bessere Zeiten gesehen hat.

Mittwoch, 29. Juni 2011:

Bis Schleimünde wars am nächsten Morgen dann nicht mehr weit. Das schöne Wetter hielt noch durch. Angenehmes Segeln bei halbem Wind war angesagt. Am Leuchtturm stellten wir dann fest, dass wir nach Uhr und Distanzvergleich den nächsten Brückendurchgang wohl knapp verpassen werden. Also Speed raus und gemütliches hingedümpel Richtung Brücke Kappeln. Am späten Nachmittag lag die Atari dann fest im neuen Heimathafen bei FinMarine.

Fazit: Die Unsicherheit, die sich beim Kauf eines Schiffs am Anfang breit macht, war komplett beseitigt. Immerhin hat die gute schon über 30 Jahre im Kielwasser. Und bei aller Vorsicht beim Kauf, irgendwelche versteckten Mängel können immer auftauchen. Aber – toi, toi, toi – alles hat funktioniert, das Schiff läuft gut, es macht Spass – die erste Saison kann kommen.