Wochenende 16. – 19. September

Einer der Vorteile eines eigenen Schiffes ist die flexible Anreise. Keine feste Übergabezeit, keine zeitraubende Einweisung. Ist man an Bord, kanns losgehen.

16. September 2011

So konnte ich entspannt Freitag Morgen zuhause losfahren, am Mittag Mitsegler Benjamin in Hamburg abholen und nachmittags noch die Leinen losschmeissen. Vorm Ablegen liefen wir noch durch den Supermarkt, schmissen alles schnell unter Deck und legten einen Blitzstart hin, um den Brückendurchgang zu erwischen.

Das Wetter war angenehm. Nur im T-Shirt bei Sonnenschein mit leichtem Wind schipperten wir südlich an der Küste entlang Richtung Damp. Dort angekommen, huschten wir noch schnell in den Supermarkt bevor er schloss um das Abendessen komplett zu machen. Für das Protokoll: Es gab Fischfilets mit gebratenen grünen Bohnen und Pellkartoffeln. Herrlich. ;)

Schon am frühen Abend bemerkten wir, dass das Schiff immer unruhiger lag. Am Bier konnte es nicht liegen, so viel hatten wir nicht getrunken. Beim späteren Hafenrundgang stellten wir fest, dass es deutlich aufgefrischt hatte und direkt auf die Hafeneinfahrt bliess. Im Hafen war richtig starker Schwell. Einige festgemachten Schiffe tanzten förmlich auf den Wellen.

Über Nacht nahm der Wind noch zu. Die Atari ruckte öfters unangenehm in die Festmacher ein, die Leinen knirschten, hier und da klapperte irgendwas und der Wind heulte im Rigg. An ruhigen Schlaf war nicht zu denken. Für mich auf der Vorschiffskoje jedenfalls. Scheinbar wars im Salon ruhiger. Benjamin hatte zumindest gut geschlafen, sagte er.

17. September 2011

Am nächsten Morgen liessen wir es gemächlich angehen und den Wind sich noch etwas austoben. Gegen Vormittag wurde es allmählich ruhiger. Wir legten ab, Kurs Bagenkop auf Langeland. Der Wind hatte über Nacht eine hohe Dünung aufgebaut. Mit Wind aus Ost/Süd-Ost beim Kurs von 65 Grad ging es mehr oder weniger hart am Wind achterbahnmässig auf und ab.

So richtig angenehm war das nicht. Es nieselte hin und wieder, der Himmel war grau und die Temperaturen waren herbstlich kühl. Möglichst schnell ankommen war angesagt an Stelle von Segeln mit Genuss.

Die 25 Meilen waren dann doch schnell abgeritten. Wir kamen gerade recht zur Kaffeezeit im fast leeren Hafen an. Kaffeetrinken ging nahtlos in Anlegerbier über. Um uns herum war Hafenkino angesagt. Scheinbar waren viele etwas später los und hatten auf weniger Wind gewartet. Im Minutentakt kamen die Schiffe rein.

Als es langsam dunkel wurde, waren im vorderen Hafenbereich so gut wie alle Liegeplätze belegt. Die ersten legten sich schon an die Kaimauer in der Hafeneinfahrt. Im hinteren Bereich der Stege war noch viel frei. Wir überlegten, warum wohl so viele gar nicht erst im hinteren Hafenbereich nachsehen. Haben sie Angst, dort festzusitzen und nicht mehr wenden zu können? Und nehmen dafür lieber einen ungemütlichen Liegeplatz in der Einfahrt in Kauf? Oder denken sie, wenn vorn schon alles voll ist, muss es hinten erst recht so sein?

18. September 2011

Der nächste Morgen begrüsste uns mit einem grau in grau verhangenen, konturlosen Himmel. Leichter Nieselregen begleitete uns bei der Abfahrt. Der Wind war unbeständig, drehte ständig die Richtung und eigentlich kaum vorhanden. Bis auf kurze Schauerboen war an Segeln nicht zu denken.

So lief der Motor die erste Hälfte des Tages. Wir wollten Richtung Kieler Förde. Nach Laboe in die Baltic Bay Marina. Am Nachmittag klarte das Wetter auf. Nach und nach zeichneten sich auch Wolken am Himmel ab. Die Sonne schaute sogar hier und da mal durch. Dazu kam ein segelbarer Wind, der im Laufe des Nachmittags immer kraftiger wurde.

Auf Höhe des Kieler Leuchtturms war richtig sportliches Segeln mit Aufkreuzen Richtung Ziel angesagt. Süd-West, direkt aus Richtung der Kieler Förde wirds gewesen sein. Vielleicht mit 4 Windstärken.

Als wir am späten Nachmittag in der Baltic Bay Marina angelegt hatten, tauchte die Sonne den Hafen in eine goldfarbene Lichtstimmung. Der Hafen ist mit schwimmenden Fingerstegen ausgestattet anstatt der sonst üblichen Heckpfosten. Dies ermöglicht ungeahnte Perspektiven vom Boot.

Abendessen nahmen wir dann am alten Hafen von Laboe in einem urigen Fischlokal ein. Dank der Infrarot Bestrahlung konnten wir sogar noch draussen sitzen, obwohl es herbstlich kühl geworden war.

19. September 2011

Die Rückreise nach Kappeln erfolgte bei nahezu idealen Segelbedingungen. Mit einer frischen Brise aus Süd-West schossen wir Richtung Schleimünde bei Sonnenschein und so gut wie klarem Himmel.

Wie kräftig der Wind tatsächlich blies, bemerkten erst (mangels Windmessanlage), als wir vor Schleimünde ins Fahrwasser einbogen. Aus achterlichem Wind wurde ein leichter Am Wind Kurs. Zuviel für unsere Segelfläche. Das Boot war kaum zu bändigen. Wir mussten zweimal reffen bis wir einen stabilen Kurs halten konnten.

Die Schlei begrüsste uns auch ungewohnt ruppig. Vor Kappeln mussten wir eine Weile auf die Brückenöffnung warten. Die Zeit vertrieben wir uns mit Strömungsexperimenten. Die Frage war, wieviel Schub vorwärts und rückwarts müssen wir geben, damit wir jeweils auf der Stelle stehen bleiben. Die Frage beschäftigte mich auch aus praktischen Gründen. Beim Anlegen würden wir auch mit Strom von hinten in die Box getrieben.

Später beim Anlegen stellten sich die Bedingungen aber als nahezu ideal heraus. Normalerweise funktioniert Anlegen bei meinem Liegplatz so: Da meine Box für das Boot zu breit ist muss ich, nachdem die Heckleine in Luv über den Pfosten geworfen wurde, erst die Vorleine in Luv an Land ausbringen, um mich danach mit geführter Vorleine zurück zum Heckpfosten in Lee zu hangeln. Den Leepfosten zu erwischen, ohne mit dem Bug vorher zu vertreiben, funktioniert selten. Diesmal arbeitete Windrichtung, Strömung und Radeffekt im Rückwärtsgang Hand in Hand, so dass erst beide Heckleinen übergeworfen waren und ich mich ganz entspannt, mit gefierten Leinen von der Strömung Richtung Steg treiben lassen konnte.

Wochenende 9. – 11. September

Im September gabs ein paar schöne Tage. Zeit wieder aufs Wasser zu kommen. Auch dieser Törn lief in trauter Zweisamkeit mit Melanie ab.

9. September 2011

Wir waren wieder in der vergangenen Nacht angereist. Nach einem kurzen Einkauf und Frühstück ging es los. Leider erstmal bei wenig Wind aus Süd-West. Dafür Sonnenschein. Unter Segeln wollte der Leuchtturm Schleimünde einfach nicht kleiner werden. Unser Ziel, Avernakö, war zwar nicht wahnsinnig weit weg, bei dieser Geschwindigkeit mit dem Wind genau aus achtern aber nicht mehr vor Sonnenuntergang erreichbar.

Also Motor an. Da fiel mir ein, beim Boot war ja auch ein Autopilot dabei. Ein Autohelm 1000, wahrscheinlich auch aus den 80ern. Kompass und Lenkeinheit ist auf jeden Fall noch getrennt in zwei Teile. Ein Wunder dass der noch funktioniert.

Die ersten Tests liessen den Kollegen wie wild die Pinne hin- und herschieben. Als wollte der Autohelm das Boot durch Ruderbewegungen antreiben. Ein Blick in die Anleitung verriet diverse Einstellmöglichkeiten. Einige Testminuten später schnurrte das Boot wie auf Schienen Avernakö entgegen.

Kurz darauf gabs auch ein bisschen Wind zum Segeln. Der Autohelm kam auch damit einigermassen klar, nur wollte ich die schon angeschlagene Batterie nicht übermässig belasten und demontierte ihn. Segeln macht mit der Pinne in der Hand sowieso mehr Spass.

In Avernakö war schon Saisonende angesagt. Es lag ausser uns kaum noch jemand an den Stegen. Komisch, haben wohl viele die Saison schon abgeschrieben.

10. September 2011

Am nächsten Tag ging es nördlich an Lyö vorbei Richtung Als-Sund. Unser Ziel war Dyvig. Aus einem nebligen Morgen mit keinem Wind entwickelte im Laufe des Tages ein sonniges Wetter mit wenig Wind, um dann Abends nochmal richtig aufzufrischen. Alles in allem ein perfekter Segeltag.

In Dyvig war dann wie immer die grosse Familienfeier angesagt. Dummerweise lagen wir genau in Windrichtung der Grillfläche. Erst brachten die duftenden Wölkchen unsere Mägen zum knurren, später konnten wir es nicht mehr riechen. Bei Einbruch der Dunkelheit war aber auch das letzte Würstchen gegrillt. Der Grillqualm wich der frischen Landluft.

Nachts zog ein Gewitter über uns hinweg. Das Geblitze um einen herum war erstmal nett anzusehen. Ein Blitz muss aber ganz in der Nähe eingeschlagen sein. Zumindest krachte es dermassen laut, dass ich bald aus der Koje gefallen wäre.

11. September 2011

Das nächtliche Gewitter hatte auch ein bisschen mehr Wind mitgebracht. Mit dem ging es dann mehr oder weniger rasant den Als-Sund Richtung Sonderburg runter. Die Windrichtung passte grad so (Süd/Süd-Ost), dass wir nicht grossartig aufkreuzen mussten.

Eine meiner Aufgaben während dieses Trips war, in regelmässigen Abständen die vollgelaufene Toilette abzupumpen bevor sie überläuft. Die Seeventile sind nicht mehr 100% dicht und bei viel Lage drückt Wasser in die Schüssel rein. Die Ventile zu tauschen oder besser tauschen zu lassen hatte ich mir eh schon vorgenommen. Das sind noch alte Schraubventile, garantiert Erstausstattung von 1980. Diese Aktion bestätigte mein Vorhaben, auch wenns ein grösseres Loch in die Geldbörse reisst.

Nachdem wir durch die Sonderburg Brücke gefahren waren, liess der Wind langsam aber stetig nach. Kurz vor Schleimünde war auf einmal spiegelglattes Wasser und wir kamen kaum noch voran. Der Blick auf die Uhr sagte uns, dass wir uns sputen sollten, wenn wir den nächsten Brückendurchgang erreichen wollen. Also Hebel auf den Tisch. Wird knapp. Ein anderes Boot hatte den gleichen Gedanken und wir lieferten uns so eine Art Motorboot Rennen die Schlei rauf. Ohne anzuhalten passierten wir dann die Brücke mit Full Speed und einer russigen Wolke am Heck.