Sommertörn, 1. – 18. August

Die Vorfreude auf den grossen Urlaubstörn war riesig. Endlich mal wieder mehr als ein verlängertes Wochenende unterwegs sein. Und sogar die Wetterprognose sah vielversprechend aus.

Los ging es für mich schon am 31. Juli. Gegen Mittag kam ich in Kappeln an, kaufte ausgiebig Vorräte ein und machte die Atari gästefein für Annika und Micki, die am nächsten Tag ankommen sollten.

… nach getaner Arbeit.

Gegen Nachmittag trafen die Mitsegler dann ein. Zum Lossegeln war es dann schon etwas spät. So verbrachten wir den Abend in Kappeln und füllten unsere Mägen mit unglaublich vielen und leckeren Fischvarianten vom Restaurant Stark.

Am nächsten Tag setzten wir die Segel und schipperten entspannt Richtung Bagenkop auf Langeland. Die Überfahrt präsentierte ein Potpourrie an Wetter, das unterschiedlicher nicht sein konnte. Von Schauern mit kräftigen Schauerböen und kaum Sicht gleich hinter Schleimünde bis leichten Wind mit Gennackereinsatz und Sonnenschein auf dem letzten Drittel der Strecke.

Bagenkop: Grillen am Strand.

In etwa einer Woche waren wir mit Melanie in Kopenhagen verabredet, die dann zur Crew dazustossen würde. Um ein bisschen Strecke zu machen und dann auch sicher in Kopenhagen zu sein, beschlossen wir die nächste Nacht bis Klintholm durchzusegeln.

Der nächste Tag brachte erstmal Flaute. Gegen Abend, nach 10 Stunden Fahrt, waren wir grad mal 25 Meilen bis Fehmarn gekommen, da wir es albern fanden für so einen langen Schlag den Motor anzuschmeissen. Nach dem Abendessen führten wir dann auch den zweistündigen Wachrhythmus ein, der uns durch die Nacht begleiten sollte. Bei drei Seglern bedeutet das 2 Stunden Steuern, 4 Stunden Ruhe sofern keine unvorhergesehenen Ereignisse eintreffen. Die kamen nicht, die Nacht war ruhig, klar und wir hielten uns von der vielbefahrenen Schifffahrtsroute durch den Fehmarn Belt bzw. rund Falster frei.

Trotzdem ist so eine Nachtfahrt, auch ohne aussergewöhnliche Ereignisse, ein Erlebnis. Die dicken Pötte ziehen wie auf einer Perlenschnur aufgereiht an einem vorbei. Die Übergange zwischen Dämmerung, dunkler Nacht und Morgengrauen sind echt beeindruckend. Zwei Stunden allein im Cockpit bei völliger Stille, ausser dem Gurgeln des Schiffs in langsamer Fahrt lassen die Gedanken kreisen. Schön.

Gegen 10 Uhr morgens machten wir in Klintholm fest. Da die Nacht ruhig war, die Crew mehr oder weniger ausgeschlafen. Nach dem späten Frühstück legten wir uns an den netten Sandstrand und liessen die Seelen baumeln.

Klintholm: Da ist was im Anmarsch.

Der Hafen war wenig besucht, die integrierte Ferienanlage um so mehr. Anscheinend liessen sich einige Segler wegen der unklaren Verhältnisse im Hafen (Insolvenz des alten Betreiber, Betreiber Wechsel, fragliche Öffnung der Sanitäranlagen etc.) abschrecken.

Kreidefelsen von Möns Klint nahe Klintholm

Wir waren gut in der Zeit, Kopenhagen war schon in Reichweite. Deshalb setzen wir am nächsten Tag die Segel Kurs Nord-Ost nach Schweden. Mit Backstagsbrise und mittlerem Wind waren wir am späten Nachmittag schon in Gislövs Läge angekommen. Im Hafen erwarteten uns die typischen rot bemalten Holzhäuser. Eins davon war eine Kneipe, die heute am Sonntag Nachmittag gut besucht war. Eine der Bedienungen gab eine recht beeindruckende Gesangseinlage in Begleitung eines Keyboarders zum besten. Insgesamt ein sehr nette, entspannte Atmosphäre dort im Hafen.

Tags darauf führte uns unsere Route zurück Kurs West an Trelleborg vorbei durch den Falsterbo-Kanal. Immernoch in Schweden, trennt der eine Landzunge zu Beginn des Öresunds vom Festland und verkürzt somit für uns die Strecke nach Norden Richtung Kopenhagen, Malmö etc. um ein paar Meilen.

Micki, Annika und die Öresund Brücke

Die Leinen machten wir in Klagshamn fest. Ausser Strand und einer Versorgungsstation für ein grosse Windkraft-Anlage kurz vor der Öresund Brücke gabs nicht viel zu sehen. Der Hafen war auch recht tot, kaum Gäste da, genauso wie im angrenzenden Campinggelände. Brötchen zum Frühstück oder andere Dinge waren vor Ort nicht zu bekommen.

Mittlerweile hatte der Wind gut aufgefrischt. Auf dem Weg durch die Öresund Brücke am nächsten Tag, nach Norden hoch, hatten wir zunächst halben Wind, was uns guten Speed bei recht wenig Welle bescherte. Kaum waren wir an Saltholm, einer Insel mitten im Öresund vorbei, mussten wir etwas anluven und verloren die Landabdeckung, was wirklich sportliche Bedingungen bescherte. Zumal regelmässig unglaubliche Schauern mit heftigen Böen durchzogen, die der Wasserlandschaft um uns herum eine surreale, dünenähnliche Anmutung gaben. Wir sassen teilweise nur untätig da und schauten fasziniert auf das Schauspiel.

Als wir der Insel Ven, unserem Tagesziel, näher kamen, liefen wir schon unter stark gerefften Segeln und bolzten hart am Wind über die Wellen. Dummerweise lag unser Zielhafen Kyrkbacken in Windrichtung mit einer Hafenfahrt auch offen in Windrichtung, was in dem schon gut belegten Hafen einigen Schwell entstehen liess. Ein freundlicher Herr wies uns auf einen Platz genau an der Einfahrt hin. “Der ruhigste Platz im Hafen” was relativ zu sehen war, zumal die Mole mit dicken, schwarzen Autoreifen eher für grössere Schiffe konzipiert war. Also wieder raus, Motor auf Anschlag gegen die Wellen bis wir wieder auf einer offenen Wasserfläche waren und Segel setzen konnten.

Zum Glück sind die Distanzen der Häfen im Öresund sehr gering. So suchten wir uns einfach den aus, den wir direkt anlegen konnten und bolzten weiter Richtung Leeküste, was nach jeder Meile ruhigere Bedingungen bescherte,

Wir landeten dann in Vedbaek. Ein grosser Hafen mit freier Auswahl der Liegeplätze. Der zweite Eindruck war, ein grosser Parkplatz mit ein paar Liegeplätzen. Egal, wir lagen dort gut geschützt und Versorgungsmöglichkeiten fürs Abendbrot waren um die Ecke.

Am nächsten Tag bliess uns ein starker westlicher Wind, nur unter Genua, bei glattem Wasser (immer noch Lee Küste…) in Rekordgeschwindigkeit nach Kopenhagen. Hin und wieder standen 8 Knoten Fahrt auf der Logge und die Crew bekam das Grinsen nicht mehr aus den Gesichtern.

Wir wollten möglichst in Christianshavn festmachen, weil dort die Atmosphäre am schönsten ist. Kurz vor der Einfahrt in den Kanal hätten wir noch fast unseren Mast verloren, weil über den Kanal ein Betonmischer sein Teleskoprohr in einen grossen Bogen gelegt hatte. Erst als wir schon fast durch waren kam die Frage auf. “Hm, passen wir da überhaupt durch?!” Ging dann noch gut, hätte aber schiefgehen können. Die Bauarbeiter deuteten zumindest mit Daumen und Zeigefinger den Raum zwischen Mastspitze und Rohr an. Uiuiui.

Im Kanal ergatterten wir noch einen der letzten Plätze. Man liegt dort wie in einer Amsterdamer Gracht, mitten im Geschehen und ganz in der Nähe der Innenstadt. Nach einem Stadtbummel stiess dann auch Melanie zur Crew dazu. Die nächsten Tage verbrachten wir zu viert auf dem Boot. Abendessen und Begrüssungsfeier gab es dann im “Spiseloppen“, in Christiania, dem (immernoch) autonomen Freistaat mitten in der Weltstadt Kopenhagen. Das Restaurant ist definitiv einen Besuch wert. Günstig und sehr gut. Vom zugespraytem, schrammeligen Treppenhaus sollte man sich nicht abschrecken lassen.

Nachdem wir Kopenhagen ausgiebig angesehen hatten und die Füsse langsam platt waren, verholten wir uns am Abend des nächsten Tages nach Flakfortet. Einer inselartigen Bunkeranlage mit ehemaligen Kanonenstellungen im Öresund, ganz in der Nähe von Kopenhagen. Dort zu übernachten ist eine faszinierende und spannende Sache. Wenn alle Tagesgäste verschwunden sind bleiben nur eine handvoll Yachties übrig, die mit Taschenlampen ausgerüstet die dann einsamen Gänge und Gewölbe für sich erkundigen. Es kommt tatsächlich sowas wie Höhlenforscher Atmosphäre auf.

Flakfortet: unter Tage

Flakfortet: Ausblick aus dem Bunker

Auf dem Rückweg, nach Süden durch den Öresund verliess uns am nächsten Tag dann der Wind. Wir experimentierten noch eine Weile mit dem Genacker rum, der aber auch nicht viel brachte, zumal teilweise Strom gegen uns stand. So blieb nichts anderes übrig als den Motor anzuschmeissen und den Hebel auf den Tisch zu legen, damit wir nicht ganz so spät in Rödvig ankommen. Dort verliessen am folgenden Tag dann Annika und Micki die Crew um die Heimreise per Bahn anzutreten.

Der Crewwechsel brachte gleichzeitig auch einen Windwechsel mit sich. Für die nächsten Tage waren östliche Winde gemeldet. Ideale Bedingungen für die zweite Hälfte des Törns durch das Smaelandsfahrwasser und die dänische Südsee zurück nach Kappeln.

Mit Melanie durch den Bögestrom.

Der nächste Tag führte Melanie und mich bei strahlendem Sonnenschein und moderatem Wind durch den Bögestrom nach Kalvehave. Dort war grad Hafenfest mit Livemusik, Bier und Fressbuden. Für mehr als ein Getränk nach dem Abendessen konnten wir uns da leider nicht begeistern. Wir vertraten uns lieber noch ein wenig die Beine über die schönen Wanderwege rundherum.

Badesteg Kalvehave.

Weiter gings am nächsten Tag, erneut bei Kaiserwetter, mit einen schnellen Schlag nach Vordingborg. Ein nettes Städtchen mit einer noch netteren Burgruine mitten in der Stadt. Es war grad die Zeit der vielen Sternschnuppen, so dass wir bei klarem Himmel Nachts auf den Cockpit Bänken lagen, in den Himmel starrten und Sternschnuppen zählten.

Vordingborg: obligatorischer Sonnenuntergang

Im gleichen Trott führte uns die nächste Etappe nach Femö. Dort führte uns ein Spaziergang über die verlassene Festivalfläche des Femö Jazzfestivals, das eine Woche vorher stattgefunden hatte.

Femö: Beine vertreten

Ähnlich wie in den Bunkeranlagen auf Flakfortet kam hier eine eigentümliche, fast endzeitliche Stimmung auf. Alles wirkte wie die Überreste einer untergegangenen Zivilisation. Bierdosen standen noch auf Campingwagen Tischen, so als würden die Bewohner jeden Augenblick zurückkommen. Das gesamte Gelände war aber menschenleer.

Femö: Festivalgelände ohne Gäste

Nach Femö stand die Insel Omö auf dem Programm. Der Ort ist etwas vom Hafen entfernt. War zwar ein netter Spaziergang über eine reizvolle Landschaft, nur leider zu weit weg für uns, um den Ort noch vor Ladenschluss des kleinen Insellädchens zu erreichen. Dummerweise brauchten wir noch was zum Abendbrot. Grillen wäre super gewesen, fiel nun aber aus.

Omö: Abendbrot vom freundlichen Fischer

Zum Glück trafen wir nach unserer Rückkehr im Hafen einen Fischer, dem wir einige Flundern abkaufen konnten. Beilagen hatten wir noch am Start. Das ergab ein prima Abendbrot.

Omö: Auf der hohen Kante

Da wir noch ein paar Tage übrig hatten, bevor wir uns ensthaft Richtung Kappeln bewegen müssten, sollte es von Omö aus eigentlich noch einen Schlag im Grossen Belt nach Norden hoch geben. Dafür fehlte leider am nächsten Tag der Wind. So landeten wir nach einer kurzen Motorfahrt sehr früh am Nachmittag in Lohals. Hier kauften wir die gestern vermissten Grillutensilien und verbrachten vor dem Barbecue eine ganze Weile am schönen Strand.

Lohals: Haufen illuminiert

Lohals: pastellig

Das Ziel des nächsten Tages war Svendborg. Auch eine kurze Etappe bei ordentlich Wind. Hier früh am Nachmittag anzukommen war aber auch sehr praktisch.

Svendborg: Ordentliche Lage

So konnten wir noch ausgiebig durch die schöne Stadt bummeln. Vorher mussten wir noch eine ausgiebige Schauer abwarten, die uns schon im Svendborg Sund erwischt hatte. War seit langem mal wieder Zeit die Kuchenbude aufzubauen um etwas mehr trockene Fläche auf dem Boot zu haben.

Marstal: Crew entspannt

Mit dem Hafen Marstal erreichten wir nach einem weiteren entspannten Segeltag einen alten Bekannten. Trotzdem ist es immer wieder schön, eine kleine Runde durch die hübsche Altstadt zu drehen. Vorher statteten wir allerdings dem nahegelegenen Strand einen Besuch ab.

Schlei: Heckansichten unter der Genua

Nach kurzer Flaute am Vormittag war auch der letzte Segeltag unseres Sommertörns zurück zur Schlei genussvolles Segeln. Moderater Wind bei Sonnenschein und Schleimünde war exakt anzulegen. Was will man mehr?