Urlaubstörn 26.7. – 10.8.

Die stabile Wetterlage Ende Juli versprach schöne Segeltage während unseres langersehnten Urlaubstörns. Melanie und ich reisten schon am Donnerstag Abend nach Kappeln an. Das Auto war randvoll mit Proviant. Freitag Morgen besorgten wir die letzten Kleinigkeiten (Dosenpfandfreie Bierbestände und Reservediesel) und los gings.

Die Hochseeinsel Anholt im Kattegat war unser grobes Ziel. Wie genau die Strecke sein sollte, wollten wir je nach Wettersituation entscheiden. Der mittelstarke, sehr warme Wind aus Südost brachte uns zunächst zu einer alten Bekannten. Der Insel Avernakö. Die letzten Male war immer nicht viel los gewesen, diesmal war aber im Päckchen liegen angesagt. Wir legten uns an ein dickes Motorboot, das scheinbar lange nicht bewegt wurde. Der perfekte Stegersatz. Den Rest des Tages verbrachten wir mit Baden, Grillen und sassen noch lange in der lauen Nacht. So kann der Urlaub weitergehen.

Eiserne Reserve

Am nächsten Tag war der Wind auf West gedreht und brachte uns auf unserem Weg durch den Svendborg Sund brutale Hitze an Bord. Mit Wind von achtern regte sich so gut wie kein Lüftchen. Man konnte kaum barfuss auf dem Cockpit Boden stehen. Am späten Nachmittag, mittlerweile unter Motor, fühlten wir uns dem Sonnenstich nahe und liefen kurzerhand Dagelökke an. Dort schnell ins Wasser und abkühlen. Zu Abend gabs frischen Fisch aus dem Fischershop und anschliessend ein Gewitter. War auch mal nötig.

Gewitter in Dagelökke

Frischer Wind aus West pustete uns am Sonntag Morgen Richtung Grosse Belt Brücke. Ein direktes Ziel hatten wir nicht vor Augen. Belt rauf war die grobe Orientierung. Mit Halbem Wind und nur wenig Welle erreichten wir den Top Speed des Urlaubs. 8,5 Knoten über Grund waren teilweise drin.

Grosse Belt Brücke

Dementsprechend schnell lag der Kalundborg Fjord querab. Wir bogen ein und machten im alten Hafen nahe dem Fähranleger fest.

Sonnenuntergang Kalundborg

In Kalundborg hatten gerade die Wikinger festgemacht. Eine Truppe von Leuten, die historisch korrekt eine erlebbare Museumstour rund um Seeland machten.

Wikinger bei Nachruhe

Das Hafenmanöver mit 20 Leuten am Rudern war schon beeindruckend. Wenden in 10 Zügen war angesagt. Zwischendurch legten auch wir ab und auf dem Weg durch den fast Windstillen Fjord fragte ich mich, ob die Wikinger nun den ganzen Tag am Rudern sein werden – bei der Hitze, die nun wieder da war.

Wikinger unterwegs

Am späten Nachmittag machten wir in Langör auf der Insel Samsö fest. Diese Ecke gilt als eine der schönsten Dänemarks. Was wir direkt bestätigen können. Wir lagen längsseits an der Aussenmole und hüpften diesmal direkt vom Boot ins Wasser.

Ausgang vom Kalundborg Fjord, kaum Wind

Fender Shop? Leinen Laden? Oder weiss der Eigner mehr übers Wetter von
Morgen als wir?

Der nächste Tag führte uns bei gutem Segelwind nach Grenaa, unserem Absprunghafen nach Anholt. Mittlerweile war das Wetter nicht mehr ganz so stabil wie die letzten Tage. Mehrere Gewitter zogen an uns vorbei. Bis auf einige Regenschauern blieben die Gewitter aber harmlos. Die Fronten hielten Abstand zu uns. In Grenaa erwischte uns eine dieser Schauern natürlich genau beim Anlegen. Ölzeug hing schon zum Trocknen rum, wir wurden nass. Auch unser Helfer am Steg, der tapfer die Leine hielt, bis wir soweit waren sie ihm abzunehmen. Vielen Dank für den erhöhten Einsatz.

Schauer im Anmarsch

Der Weg nach Anholt führte uns tags darauf an dem neu errichteten Windkraftwerk entlang. Über 100 Rotoren (beim groben Durchzählen hätte ich sogar eher mehr geschätzt) ziehen bestimmt eine gute Stunde an einem vorbei. Das Feld scheint kein Ende zu nehmen.

Konzentrierte Ansteuerung Anholt

Auf Anholt blieben wir zwei Tage. Wir erkundeten die Insel ausgiebig mit dem Fahrrad und stiegen auf die beiden Aussichtspunkte im Norden und Süden. Zwischendurch war Baden angesagt. Für die dänische Ostsee etwas untypisch ist der feine Sandstrand mit Dünenlandschaft. Der frische Wind aus West brachte dazu richtig Wellen an den Strand. Das Wasser schimmerte türkis grün. Einfach perfekte Badebedingnungen.

Abends am Strand

Feuer im Glas

Sonderbjerg, vor der Besteigung

Sonderbjerg, Blick von fast oben

Für die Rückreise von Anholt nahmen wir uns die 55 Meilen nach Ebeltoft vor. Wir wollten nicht schon wieder über Grenaa fahren. Die Bedingungen waren perfekt. Bei westlichem Wind und Sonnenschein konnten wir unseren süd-westlichen Kurs Richtung Hjelm Dyb gut anlegen und kamen auch gut voran. Um die Ecke nach Westen gings dann kurz unter Motor und dann wieder das letzte Stück nach Ebeltoft Richtung Nord und dann Ost mit dem Segel. Als die 11 Stunden rum waren waren wir allerdings wieder gut geschlaucht. Den ganzen Tag in der Sonne sitzen macht einen irgendwann weich in der Birne.

Gegenlicht Grillen in Ebeltoft

Deshalb blieben wir auch in Ebeltoft gleich mal zwei Tage liegen und nutzen die Zeit, die schöne Altstadt und die Fregatte Jütland, ein Museum mit einem alten Kriegsschiff, zu besichtigen.

Einkauf in Ebeltoft

Unser nächstes Törnziel war dann die Insel Tunö. Eine kleine Insel mit idyllischem Hafen westlich von Samsö. Eigentlich von Ebeltoft einen Katzensprung entfernt, zog sich die Anreise durch süd-westliche Winde und der daraus resultierenden Kreuzerei etwas in die Länge.  Am Abend machten wir unsere Festmacher dann in einer der letzten, gerade frei gewordenen Boxen fest. Erst wollten wir einmal komplett um die Insel herumspazieren. Die Distanz stellte sich aber dann doch als etwas zu ambitioniert heraus, vor allem bei dem warmen Wetter. So streiften wir nur ein wenig durch die Gegend und kamen zu vielen, sehr idyllischen Ecken. Tunö ist auf jeden Fall was fürs Auge.

Atari (mit Melanie) auf Tunö

Unser nächstes Ziel was Juelsminde, das wir mit süd-westlichem Kurs problemlos anlegen konnten. Zwischendurch wurde hin und wieder der Motor gebraucht, weil der Wind eine Pause einlegte. Juelsminde war nach Tunö Kontrastprogramm. Eben noch viel Natur, der Hafen etwas provisorisch, alles frei und offen, war in Juelsminde alles strukturiert, durchdacht und geplant angelegt worden. Eine riesige Marina mit mindestens 4 unterschiedlichen Hafenbecken. In der Stadt eine Promenda mit Shoppingmöglichkeiten ohne Ende. Nicht schlecht oder hässlich, nur ganz anders als vorher in Tunö. Wir freuten uns allerdings sehr über den gut sortierten Fischladen. In dem wir uns direkt unser Abendbrot kauften. Infrastruktur hat auch ihre Vorteile.

Fangfrisch auf den Tisch

Über Nacht, nach einem recht heftigen Gewitter, frischte der Wind um einiges auf. Aus Süd-West blies er nun, genau daher wo wir hin mussten um durch den Kleinen Belt zu kommen. Also gings gerefft gegenan. Bis wir unter Landabdeckung kamen wars ein wilder Ritt auf den Wellen. Ab Fredericia hatten wir keine Lust mehr auf Kreuzen und packten die Segel ein. 5 Meilen waren es noch bis Middelfart, unserem Tagesziel. Am Ende waren es mehr. Die beiden Häfen in Norden und somit mit guter Windabdeckung waren leider überfüllt. Somit blieb uns nichts anderes übrig als auch noch um die Landzunge herum zur südlich gelegenen Marina von Middelfart zu tuckern. Nach zwei, drei Anläufen fanden wir auch endlich eine Box in die wir reinpassten. Da fragte ich mich, für welche Art Boote diese Boxen eigentlich angelegt sind? Die Breite der Atari von 2,85m ist heute ja schon sehr schlank. Egal, wir waren da – und halbwegs erschöpft. Bisschen Essen, rumliegen, lesen und früh ins Bett war angesagt.

Wilder Ritt

Am nächsten Morgen steckten wir beim Ablegen dann auch gleich im Regattafeld des ISAF Nations Cup. Wir schmuggelten uns schnell durch und genossen den Rest des Tages, bei entspannten Segelbedingungen, den Weg nach Süden durch den kleinen Belt. Am frühen Nachmittag machten im Hafen der kleinen Insel Ärö fest. Ausnahmsweise waren wir eine der ersten Yachten dort. Als wir vom Ausflug durch den kleinen Ort und vom Strandspaziergang zurückkehrten war wie üblich bei diesem Sommertörn der Hafen voll. Am Abend spielten wir noch mit unseren netten Nachbarn eine Runde Kniffel und klönten bei ein paar Gläschen Wein bis in die Dunkelheit.

ISAF Nations Cup

Über Nacht änderte sich mal wieder das Wetter. Der nächste Morgen begrüsste uns mit Nieselregen und frischem Wind. Das erste mal in diesem Urlaub, dass wir in Ölzeug Richtung Toiletten gehen mussten. Da der Wind aus Nord-West kam und wir nach Süd-Ost mussten war das unterwegs aber nicht weiter schlimm. Als wir nach wenigen Stunden nur unter Genua in Fynshavn ankamen, klarte sich der Himmel auch schon wieder auf und wir nutzen die Zeit uns die Beine zu vertreten und letzte Reisemitbringsel aus Dänemark im Super Brugsen zu erwerben.

Ölzeug Wetter

Der letzte Segeltag unserer Reise brach an. Vorher gaben wir unsere Bordkräuter Basilikum und Koriander noch zu treuen Händen ab. Darauf lösten wir die Leinen Kurs Schleimünde.

Bordkräuter

Bei leichtem Wind und Sonnenschein war das gar kein Tag zum Abgewöhnen. Wir hatten auch keine Lust auf Eile und unter Motor fahren. Deshalb standen wir letztendlich auch recht spät vor der Kappelner Brücke. Viertel vor Sechs – viel zu spät um heute noch nach Hause zu fahren. Kurzentschlossen blieben wir noch eine Nacht und liesen den Urlaub langsam mit einem leckeren Fischessen im Restaurant Stark am Hafen ausklingen.

Brücke Kappeln