Die grosse Runde, 27.6 – 26.7.

Ende Juni stand der grosse Sommerurlaub an. Wir, Melanie und ich, hatten es tatsächlich geschafft ganze vier Wochen freizuschaufeln um uns entspannt über die Ostsee treiben zu lassen.

Der Plan: Von Kappeln aus zügig nach Osten, Zwischenstop auf Hiddensee, Peenestrom, Szczecin/Polen, Bornholm als Wendemarke, bisschen Süd-Schweden, über Smaeland Fahrwasser und Dänische Südsee zurück in die Schlei.

Die ersten paar Tage von Kappeln über Bagenkop, Orth auf Fehmarn, Gedser bis Vitte auf Hiddensee wurden geprägt von leichten Winden aus westlichen Richtungen (was uns natürlich sehr entgegenkam), wechselhaftem Wetter mit kurzen aber starken Schauern, erfolglosen Angelversuchen und der Suche nach passenden Gelegenheiten Fussball zu schauen. Letzteres war vor allem beim Spiel Deutschland gegen Algerien in Gedser nicht ohne. Dort interessierte sich wirklich niemand für das Spiel. Ausser den vielen deutschen Seglern, die Pulkweise durch den recht toten Ort wanderten um eine Kneipe mit Fernseher zu finden. Letztlich landeten alle vor einem kleinen Fernseher beim Segel Club, der Erbarmen mit uns deutschen Seglern hatte.

Dunkle Aussichten auf dem Weg nach Bagenkop

Bagenkop: Angeln im Hafenbecken

Hiddensee in Sicht, Dornbusch umrundet

Auf Hiddensee legten wir einen Hafentag ein, um die Insel etwas genauer zu erkunden. Mit dem Rad gings nach Kloster und zum obligatorischen Leuchtturm Dornbusch. Hiddensee hat schon seinen ganz eigenen Charme. Trotz relativ vielen anderen Touristen herrscht hier eine gewisse Gemütlichkeit. Vielleicht liegt es an den fehlenden Autos.

Hiddensee, Dornbusch: Postkarten Motiv

Von Vitte aus ging es um Kap Arkona, Rügens nördlichstem Zipfel,  nach Lohme. Immer noch meinte es Rasmus gut mit uns. Bei mittlerem Wind aus Süd-West war entspanntes Segeln angesagt.

Lohme: Es geht steil nach oben, wenn man den Ort besuchen möchte. Lohnt aber um z.B. im ausgezeichneten “Restaurant am Meer” zu speisen.

Um das nächste Spiel der deutschen Mannschaft nicht zu verpassen fuhren wir am nächsten Tag um die Kreidefelsen herum nur 10 Meilen nach Sassnitz. Bei so gut wie keinem Wind war es vor Hitze kaum auszuhalten. Auch im Hafen, den wir Mittags erreichten, wurde ein Platz im Schatten dringend benötigt.

So musste unser Bettlaken als Aushilfs-Bimini herhalten.

Mittlerweile hatte der Wind auf südliche Richtungen gedreht. Also aus der Richtung, in die wir hin mussten um südlich von Usedom durch den Peenestrom zu fahren. Über den Greifswalder Bodden und Marina Kröslin ging es so die meiste Zeit unter Motor Richtung unseres grossen Etappenziels Szczecin in Polen.

Brücke Wolgast

Als wir mit tuckerndem Motor unter Marschfahrt bei brütender Hitze nach der Wollgast Brücke im Pulk mit den anderen Booten zur nächsten Brückenöffnung der Zecherin Brücke hetzten, fragten wir uns irgendwann, warum wir uns das eigentlich antun und nicht lieber die tolle Landschaft um uns herum geniessen. Kurzerhand bogen wir ins Achterwasser ab. Einer seeähnlichen, flachen Wasserfläche mitten in der Insel Usedom, und landeten in dem beschaulichen kleinen Hafen von Zinnowitz. Als grosses Seebad, waren auch am Sonntag die Geschäfte geöffnet, so dass wir uns lecker Steaks für den Grill besorgen konnten.

Zinnowitz: Als Nachtisch gab es einen beindruckenden Sonnenuntergang mit Trompeten Einlage von einem Nachbar Boot. Sehr romantisch.

Der weitere Weg nach Szczecin führte uns am nächsten Tag durch die Zecherin Brücke nach Mönkebude. Und tags darauf über das Stettiner Haff und die Oder direkt zur Marina Goclaw.

Szczecin begrüsste uns mit herrlichem Wetter. Schon fast ein wenig zu heiss für die zwei Tage Sightseeing, die wir eingeplant haben. Der Aufenthalt war geprägt von 0:8 Deutschland – Brasilien, Wäsche waschen, roter Linie die an allen Sehenswürdigkeiten vorbei führte, Pastekis im original sozialistischen Imbiss und grossen Pötten, die beim Grillen am Hafen vorbeifuhren.

Szczecin, die Hafenpromenade

Im Schatten gehts

Grillen an der Oder.

Leider starb an der Stelle der Plan, Bornholm als nächstes anzulaufen, weil für die kommenden Tage konsequent Starkwind aus Nord-Ost angesagt war. Auf Gegenanbolzen hatten wir keine Lust.  Also, nächstes Ziel und nächste Metropole, Malmö/Schweden.

Zunächst führte uns unsere Route aber ein sehr welliges (ziemlicher Kontrast zur Hinfahrt) Stettiner Haff hinauf nach Świnoujście, das die Einfahrt zurück in die Ostsee darstellt. Von da aus hangelten wir uns mit stärkeren Rückendwind über die Marina Kröslin nach Glowe auf Rügen. Eindrücke hier: Endspiel der WM, Deutschland Weltmeister, ein Tag eingeweht bei Regen und Sturm.

Kaiserfahrt vor Świnoujście/Polen

Ruppige Überfahrt nach Kröslin

Kröslin, da ist noch was im Anmarsch

Glowe, eingeweht mit Dauerregen

Am nächsten Tag sah die Welt wieder besser aus. Der Wind passte sehr gut für unsere Überfahrt an die schwedische Südküste. Wir machten am Abend in Gislöv Läge fest, quasi ein nautisch geprägter Vorort von Trelleborg. Von dort aus ging es weiter westlich durch den Falsterbo Kanal, unter der grossen Öresundbrücke durch bis nach Malmö. Unserem nächsten Etappenziel.

Kap Arkona

Falsterbo Kanal

Öresund Brücke in Öl (nicht sichtbar: Hitze)

Malmö war wieder Hafentag. Nein nicht eingeweht, sondern bei schönstem Wetter schauten wir uns die Stadt an. Von der Dockan Marina, mitten in einem neu bebauten ehemaligen Hafengelände, war es nur ein Katzensprung in die Innenstadt. Schöne Stadt und viel zu sehen.

Dockan Marina mit dem neuen Wahrzeichen von Malmö, dem Turning Torso Turm

Malmö mit Abendstimmung

Dockan Marina: Vom Balkon aus auf die Atari schauen, hätte was ;)

So langsam mussten wir uns dann auch mit dem Gedanken anfreunden, dass es Richtung Heimat geht. Eigentlich war als nächster Stop Skanör eingeplant, direkt neben dem Falsterbo Kanal. Das fiel nur leider wegen Überfüllung aus. Kam noch nie vor, dass wir aus einem Hafen wieder rausgefahren sind, weil er zu voll war. Und das am frühen Nachmittag. Schweden hat Ferien wie es scheint.

Egal, wir überquerten den Öresund und machten in Rödvig fest, auch recht voll zu vorgerückter Stunde, wir fanden aber was direkt an der Einfahrt zum ehemaligen Fischerhafen. Von Rödvig aus fuhren wir durch den Bögestrom nach Kalvehave und von dort am nächsten Tag nach Vejrö im Smaelandsfahrwasser.

Rödvig, Logenplatz zum Sonnenuntergang

Über Vejrö rankten sich ja schon lange viele Gerüchte. Von russischen Oligarchen wurde gesprochen, die die Insel gekauft hatten und nun in eine Privatmarina verwandelt hatten. Von exorbitanten Hafengebühren wurde geredet. Egal, wir wollten uns selbst mal ein Bild machen. Ok, die Hafengebühren sind exorbitant (ca. 70 Euro die Nacht). Das steht sogar gross an der Hafeneinfahrt um Enttäuschungen nach dem Festmachen vorzubeugen. Nur irgendwie ist es die Insel wert. Alles wirkt extrem liebevoll gepflegt. Ein bisschen unwirklich, entrückt. Dafür alles im Preis inbegriffen. Selbst die Holzkohle zum selbst bedienen rund um den Hafen. Dänische hyggeligkeit trifft auf Disneyland. Wir fanden es so schnuckelig, dass wir gleich noch eine Nacht geblieben sind. Na gut, der 7er Wind aus Nord-Ost trug auch dazu bei.

All inclusive: Bogenschiessen, …

… romantische Buchten, …

… Badestrand, …

… und Feuerstelle (Steaks gingen extra).

Die letzten Tage unseres langen Urlaubs verbrachten wir mit kurzen Schlägen durch die dänische Südsee. Die auf einmal gut gefüllt war. Die Liegeplätze in der Pole Position waren sogar so sehr begehrt, dass die ersten morgens schon wieder einliefen, als wir gerade ablegten. Ob es das Wert ist um 5 aufzustehen um dann Hafenkino den ganzen Tag zu haben sei mal dahingestellt. Unsere Vorstellung von Urlaub ist das jedenfalls nicht. Die Atari mit Ihren 8,80 m findet eigentlich immer noch ein Plätzchen.. na gut, ausser in Skanör.

Lohals: Dicke Motorboote, prima Schattenspender an heissen Tagen.

Ausbaumen mit dem Bootshaken

Perfekter Liegeplatz in Tronsö im Svendborg Sund

Baden? Jemand?

Avernakö: Päckchen bauen

Avernakö: wie gemalt

Das Ende hört sich dann immer gleich an. Am nächsten Tag hatte die Schlei uns wieder, die Atari erholte sich in Kappeln von den Strapazen der vier Wochen. Schon bald ging es wieder los, den Rest der Saison zu geniessen. Sie ist kurz genug.

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